Bern startet digitalen Wegweiser für Notfälle

Der «Notfall-Finder» soll helfen, bei akuten Beschwerden den richtigen Ort für eine Behandlung zu finden – inklusive Auslastungsanzeige der Spitäler. Das Ziel: weniger Überlastung, schnellere Hilfe.

, 21. Oktober 2025 um 15:16
image
Nicht immer braucht es eine Ambulanz: Zufahrt zum Notfall des Inselspitals Bern  |  PD Insel Gruppe
In Bern ist seit diesem Dienstag ein digitaler «Notfall-Finder» in Betrieb. Er bietet Orientierung bei medizinischen Notfällen und deckt dabei die Stadt und ihre Agglomeration ab.
Konkret zeigt der «Notfall-Finder» jeweils live, welche Notfallstationen geöffnet sind und wie hoch dort die Auslastung ist.
Auf einer anderen Ebene kann man per Online-Fragebogen eine Selbsteinschätzung starten – um zu prüfen, ob eine medizinische Notfallbehandlung nötig ist oder ob vielleicht eher eine Apotheke aufgesucht werden könnte.
Das Projekt steht unter der Leitung der kantonalen Gesundheitsdirektion und wird von den drei Berner Krankenkassen Atupri, KPT und Visana mitfinanziert. An Bord sind ansonsten die Betreiber der Notfallstationen im Raum Bern – Inselgruppe, Hirslanden, Lindenhofgruppe, UPD, City Notfall, Medbase, Siloah –, ferner der Medizinalsoftware-Hersteller In4medicine.
image
Ampelsystem: Übersichtsseite im «Notfall-Finder»
Das Projekt soll dazu beitragen, dass die Notfallzentren gezielter genutzt werden. Das Personal auf den Notfallstationen soll entlastet werden, die Wartezeiten werden womöglich kürzer. «Zudem erhoffen wir uns, dass die Spitäler mittelfristig weniger Bagatellfälle auf den Notfallstationen haben werden, was einen positiven Effekt auf die Gesundheitskosten haben wird», sagt der Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, Pierre Alain Schnegg.
«Für uns hat der Notfall-Finder neben dem Aufzeigen der Anlaufstellen bei Notfällen in Bern auch den Vorteil, dass er die Bevölkerung bei der Orientierung in unsicheren Situationen unterstützen kann», sagt Thomas Sauter, Leitender Arzt in der Notfallmedizin des Inselspitals. «Dieser Einbezug von digitalen Innovationen überzeugt uns, und wir tragen gerne unseren Teil zu einer noch besseren Gesundheitsversorgung in Bern bei.»
Ab Frühjahr 2026 soll der Notfall-Finder auf den gesamten Kanton Bern ausgerollt werden.
  • Triage-Tool blieb wirkungslos: Aargau beendet den «MedicalGuide». Die Idee: Wir bieten niederschwellige Ersteinschätzungen per Internet – und entlasten so die Notfallstationen. Das funktionierte nicht. Das Interesse blieb zu gering.

  • notfall & rettung
  • bern
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Neues Gesundheitszentrum in Münsingen kommt nicht so schnell

Das geschlossene Spital Münsingen soll in ein ambulantes Zentrum umgewandelt werden. Doch der Plan stockt. Vorerst darf nun ein Wohnheim das Spital nutzen.

image

36 Patienten pro Tag: Rega-Einsätze nehmen weiter zu

Die Rega war 2025 häufiger im Einsatz als im Vorjahr. Die Crews versorgten insgesamt 13’168 Patienten, die Einsatzzentrale organisierte über 20’000 Einsätze.

image

Gemeinsam gut: Neue Kooperation Biel – Insel Gruppe

Das Spital Aarberg und das geplante Bieler Zentrumsspital in Brügg sollen dereinst ihre Angebote koordinieren.

image

TCS Ambulance: Mehr Einsätze und neuer Stützpunkt

TCS Ambulance verzeichnete 2025 rund 45’000 Einsätze. Mit einem neuen Stützpunkt in Bern und der Übernahme des Rettungsdienstes Sense in Freiburg baut die Organisation ihr Netz in neun Kantonen weiter aus.

image

Schutz & Rettung Zürich: Notrufe und Einsätze stiegen 2025 leicht

Insgesamt gingen 2025 bei Schutz & Rettung Zürich rund sechs Prozent mehr Notrufe ein als im Vorjahr. Die Rettungskräfte rückten knapp zwei Prozent häufiger aus.

image

Maximal zwei Nächte im Notfall Wattwil: «Medizinisch nicht begründbar»

Der Kanton St. Gallen wollte nicht zahlen, wenn Patienten länger als 48 Stunden im Notfallzentrum der Berit-Klinik bleiben. Das Gericht rügt nun den Kanton.

Vom gleichen Autor

image

«The World's Best Hospitals 2026»: USZ rückt vor

Auch das Genfer Unispital HUG, das Inselspital und Hirslanden Zürich machen sich im vielbeachteten Ranking von «Newsweek» und Statista positiv bemerkbar.

image

Zürcher Politik verlangt volle Transparenz zu Epic-Kosten

Die IT-Systemkosten bei der Insel-Gruppe sorgen nun auch in Zürich für Unruhe: Dort fordern Volksvertreter fast aller Parteien neue Antworten zur Einführung von Epic bei USZ und Kispi.

image

Engpässe: Entwarnung bei Impfstoffen und Antibiotika

Die schwere Mangellage bei Antibiotika und Impfstoffen in der Schweiz scheint behoben: Die Pflichtlager werden wieder regulär geführt. Engpässe bei vielen Medikamenten bleiben jedoch bestehen.