Präklinische Fachspezialisten: Regio 144 bricht Übung ab

Das Modell funktionierte medizinisch, entlastete Notfallstationen und zeigte ein neues Berufsprofil. Doch rechtliche Unklarheit und Verrechnungsprobleme setzen dem Projekt für eine neue Notfallversorgung ein Ende.

, 20. Februar 2026 um 15:14
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Regio-144-Rettungswagen und das (jetzt nicht mehr eingesetzte) PFS-Fahrzeug | Bild: PD
Der Rettungsdienst Regio 144 hat das Projekt «Präklinischer Fachspezialist (PFS)» beendet. Der Versuch war im Sommer 2024 gestartet worden, um die Notfallversorgung genauer zu steuern. Dabei untersuchten und betreuten speziell ausgebildete Rettungssanitäter Patienten, die sich über die Notrufnummer 144 gemeldet hatten, jedoch nicht so dringliche Beschwerden aufwiesen.
Die Bilanz der Pilotphase sei fachlich beeindruckend, urteilt die Leitung von Regio 144: In über zwei Dritteln der Fälle hätten die sechs spezialisierten Rettungssanitäter direkt vor Ort den optimalen Behandlungspfad ausserhalb eines Spitals einleiten können. Die Folge: entlastete Notfallstationen, zufriedene Patienten und Angehörige.
In rund einem Drittel der Fälle wurde nach der Beurteilung durch den PFS eine Hospitalisation eingeleitet.
Die Regio 144 AG mit Sitz in Rüti ist der Rettungsdienst für das Zürcher Oberland und das St.Galler Linthgebiet. Sie hat Stützpunkte in Rüti, Uznach und Wetzikon, betreibt fünf Rettungswagen sowie zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und verantwortet die präklinische Notfallversorgung für rund 175’000 Personen.
«Unsere Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter haben bewiesen, dass sie für dieses erweiterte Berufsbild nicht nur bestens geeignet, sondern geradezu prädestiniert sind», so die Projektleitung. Nebenbei habe der Versuch gezeigt, dass solche klinischen Weiterentwicklungs-Möglichkeiten im Rettungswesen nützlich wären, «um erfahrene Profis im Beruf zu halten.»
Warum also der Abbruch? Sowohl gesetzlich als auch bei der Rechnungsstellung bestehen offenbar zu viele Unklarheiten. Zudem konnten nur jene Personen innerhalb des PFS-Systems betreut werden, die via Notfallnummer 144 Hilfe suchten; so entstanden am Ende zu wenig Einsätze. «Um das volle Potenzial auszuschöpfen, sind neue Aufgebotswege oder ein grundlegendes Neudenken der Notrufnummer-Logik notwendig», lautet ein Fazit.
Die Regio 144 AG will nun ihre Erfahrungen in die nationale Debatte einbringen – als Beitrag für eine «moderne, effiziente und konsequent patientenorientierte Notfallversorgung der Zukunft».
  • Notfall: Zürich testet Einsatz von «Präklinischen Spezialisten». Mit einem neuen Berufsbild soll die Notfall-Versorgung verbessert und zugleich entlastet werden.

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