Zürcher Politik verlangt volle Transparenz zu Epic-Kosten

Die IT-Systemkosten bei der Insel-Gruppe sorgen nun auch in Zürich für Unruhe: Dort fordern Volksvertreter fast aller Parteien neue Antworten zur Einführung von Epic bei USZ und Kispi.

, 25. Februar 2026 um 11:41
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Arbeitsplatz am Universitätsspital Zürich  |  Bild: PD / Nicolas Zonvi.
Es ist ein Ping-Pong-Spiel zwischen Bern und Zürich: Wenn in einem Kanton Informationen zu den grossen Spital-IT-Beschaffungen auftauchen, registriert dies die Politik im anderen Kanton – und umgekehrt. Vor zehn Tagen informierte die Insel Gruppe über die Gesamtkosten, welche die Anschaffung des Klinikinformationssystems beim US-Hersteller Epic ausgelöst hatte. Sie lagen mit 183 Millionen Franken doch deutlich höher als die Beträge, die bei der Ausschreibung und bei der Installation genannt worden waren.
Die Zahlen lösten jetzt die nächste Reaktion im Zürcher Kantonsrat aus. Denn bekanntlich wollen sowohl das Universitätsspital als auch das Kinderspital Zürich ihre neue Klinik-Informationsplattform ebenfalls bei Epic Systems in Wisconsin bestellen. Eine dringliche Anfrage im Parlament verlangt nun nochmals Antworten der Kantonsregierung.
Bemerkenswert dabei: Der Vorstoss wurde von Vertretern fast aller Parteien lanciert und von insgesamt 93 Parlamentariern unterzeichnet; also von mehr als der Hälfte.

Kontrollaufgabe des Parlaments

Mit dem Zuschlag für Epic hätten sich USZ und Kispi «gegen den deutlich günstigeren Schweizer Anbieter entschieden», heisst es im Text. Aber die Häuser hätten nicht genügend Eigenmittel, «um sich das bedeutend teurere KIS leisten zu können.» Trotzdem gebe es bis heute keine befriedigenden öffentlichen Informationen zu den Gesamtkosten – analog den Zahlen, die jüngst in Bern für Überraschung sorgten.
«Aufgrund einer Beschwerde steckt die KIS-Vergabe des USZ an Epic in einem laufenden Verfahren», so der Interpellations-Text: «Die offenen Fragen müssen jetzt transparent beantwortet werden. Der Kantonsrat hat für beide Institutionen zusätzliche finanzielle Unterstützung gesprochen.» Deshalb müssten die Parlamentarier nun auch genau kontrollieren, «ob und wie diese Mittel zweckgebunden verwendet werden.»
  • Kantonsrat Zürich, KR-Nr. 67/2026. «Dringliche Anfrage betreffend Transparenz von USZ und Kispi betreffend Einführung KIS von Epic». Von Linda Camenisch (FDP), Michael Bänninger (EVP), Benjamin Krähenmann (GP), Marzena Kopp (Mitte), Markus Bärtschiger (SP), Nicole Wyss (AL).
Dazu wiederum müsse der Regierungsrat sämtliche erwarteten Aufwände der Beschaffung detailliert auflisten, von den Lizenzkosten bis zu den Beträgen für Schulungen oder die Systembetreuung im Betrieb. Die Kantonsräte verlangen auch, dass die Total-Cost-of-Ownership-Berechnung veröffentlicht wird (sofern sie gemacht wurde).
Ein weiteres Fragenfeld betrifft die Datensicherheit – mit Verweis auf den sogenannten US Cloud-Act, welcher amerikanischen Behörden bei US-Herstellern den Zugriff auch in der Schweiz erlaubt.
Bei Vorstössen zu diesem Thema befand der Regierungsrat bislang, dass die Systembeschaffung in der Verantwortung der Spitäler liege. Die Parlamentarier äussern nun aber Zweifel daran: «Wie kann der Regierungsrat das verantworten, zumal der Kanton zwischenzeitlich sowohl beim USZ (690 Mio) wie auch beim Kispi (Erhöhung von 100 auf 250 Mio) bezüglich deren Bauvorhaben finanzielle Hilfe mit entsprechenden Darlehen geleistet hat?»

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