Bern: City Notfall prüft frühere Schliessung

Was tut eine Permanence, wenn sie abends keinen Aufpreis verlangen kann? Die Suche nach Lösungen hat begonnen.

, 19. Juli 2024 um 13:23
image
365 Tage, 7–22 Uhr? Womöglich nicht mehr lange: City-Notfall-Praxis in Bern  |  Bild: em
Das Bundesgerichtsurteil zu den Inkonvenienz-Entschädigungen im Notfallbereich könnte vielerorts Folgen die Versorgung verändern: Dies befanden viele Gesundheits-Profis in den letzten Tagen. Neben der Permanence in Winterthur, deren Fall nun höchstgerichtlich behandelt wurde, stand dabei auch der City Notfall in Bern im Fokus.
Denn hier forderten 26 Krankenkassen in zwei Verfahren insgesamt 1,54 Millionen Franken zurück: Das Praxis-Unternehmen habe diesen Betrag ab 2016 zuviel abgerechnet, weil es für Behandlungen am Abend oder am Wochenende die Dringlichkeits-Inkonvenienzpauschale F einsetzte. In zwei weiteren Entscheiden, die ebenfalls diese Woche veröffentlicht wurden, wies das Bundesgericht eine Teil-Verjährung der Kassen-Forderungen ab (BG-Entscheide 9C_663/2023 und 9C_664/2024).
«Das Geschäftsmodell ist in der heutigen Form kaum langfristig weiterzuführen»: So kommentierte Daniel Galli das Urteil gegenüber der «Berner Zeitung»; Galli ist Leiter Management Services bei der Localmed & City Notfall AG.

Kantonsgelder?

Zwar müssten die konkreten Massnahmen noch eingehen geprüft werden – aber: «Ohne zusätzliche Finanzierungsquellen ist es allerdings wahrscheinlich, dass der City Notfall in Bern zukünftig bereits um 19 Uhr schliessen wird.»
Schliesslich seien die abendlichen Öffnungszeiten mit Mehrkosten verbunden. Denkbar sei allerdings auch, so Galli zur BZ, diese Zusatzkosten künftig zu decken, indem die Patienten im City Notfall einen zusätzlichen Betrag von 20 Franken bezahlen.
Auch Daniel Galli deutet an – wie auch MFE-Co-Präsidentin Monika Reber –, dass die Kantone nun in die Pflicht geraten könnten und als Geldgeber fungieren könnten. «Der City Notfall in Bern wurde vor über 10 Jahren mit dem Ziel gegründet, die Notfallstationen zu entlasten und die Prämienkosten zu verringern.» Daher könne das Urteil daher den ganzen ärztlichen Notfalldienst aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Harter Schlag für Notfall-Praxen – Erfolg für Krankenkassen. Das Bundesgericht spricht sich gegen Inkonvenienz-Pauschalen für Walk-in-Praxen und Permanencen aus. Nun drohen Millionen-Rückforderungen.
  • Ein Schuss ins Knie – oder endlich Fairplay? Reaktionen aufs Bundesgerichts-Urteil zur Zusatz-Honorierung in Permanencen.

  • Notfälle
  • praxis
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Fünf goldene Regeln, wie Ärzte den Patienten Zahlen verständlich machen

Laborwerte, Risiken, Therapieeffekte – viele Aufklärungsgespräche scheitern an medizinischen Zahlen. Doch wie erläutert man, was eine Behandlung bringt? Ein Vorschlag.

image
Gastbeitrag von Esther Wiesendanger

Da sind steigende Gesundheitskosten ja nur logisch

Getrennte Apotheken in Gruppenpraxen, Impfverbote in der Pflege, teure Zusatzkontrollen: Groteske Behörden- und Kassenentscheide lähmen die Versorgung. Sind wir Ärzte eigentlich Komiker?

image

Arzt sein mit Sinn – das ist Medbase.

Der ärztliche Beruf verändert sich – und mit ihm die Erwartungen. Viele Ärztinnen und Ärzte suchen heute mehr als nur eine Anstellung: Sie suchen Wirksamkeit, Gestaltungsspielraum und ein Umfeld, das ihre Werte teilt.

image

Für die Zweitmeinung zu Dr. KI? Kein Problem.

Die meisten Menschen können sich vorstellen, medizinischen Rat bei einem Chatbot zu holen. Und eine klare Mehrheit findet, dass die Ärzte KI-Unterstützung haben sollten. Dies besagt eine Erhebung in Deutschland.

image

Hoher Blutdruck? Setzt auf die Apotheker!

Eine Metastudie ging der Frage nach, welche medizinischen Fachleute die nachhaltigste Verbesserung bei Hypertonie-Patienten erreichen.

image

Verurteilt, Zulassung gestrichen – aber immer noch Arzt in Freiburg

Der Fall eines verurteilten Arztes zeigt die Lücken im System auf: Informationen zwischen den Kantonen gehen verloren – und sie gelangen nicht über die Landesgrenzen.

Vom gleichen Autor

image

Kostenloser Sicherheitscheck für Arztpraxen

Die IT-Systeme grosser Spitäler erwiesen sich in einem Schweizer Test als überraschend angreifbar. Jetzt nimmt das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit die Praxis-Informationssysteme ins Visier. Es sucht dafür Arztpraxen.

image

Affidea expandiert weiter – Übernahme einer Laborgruppe

Der Gesundheitskonzern kauft die Mehrheit von LabPoint – und plant dabei auch eine strategische Partnerschaft mit der Lindenhofgruppe.

image

Pflege bleibt Engpassberuf Nummer eins


Kaum ein Bereich sucht so intensiv nach Personal wie das Gesundheitswesen. Der neue Jobradar zeigt: Vor allem in der Pflege steigt die Zahl offener Stellen wieder in Richtung Rekordniveau.