Pauschalensystem: Chirurgen beenden Zusammenarbeit mit Tariforganisation

Der Verband der Spezialärzte FMCH stiess bei der nationalen ambulanten Tariforganisation Solutions Tarifaires Suisses (STS) auf Widerstand.

, 2. September 2022, 08:15
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Michele Genoni gilt in seiner Funktion als FMCH-Präsident als Brückenbauer, der den Weg des Konsenses sucht. | zvg
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Ursprünglich planten der Krankenkassenverband Santésuisse, der Verband der invasiv und akutmedizinisch tätigen Spezialärzte (FMCH) und der Spitalverband Hplus das gemeinsam entwickelte ambulante Pauschalensystem per Anfang 2024 einzuführen. Doch dazu wird es nun wohl nicht kommen. Denn der FMCH beendet die Zusammenarbeit mit Solutions Tarifaires Suisse (STS).
Der gewichtige Verband, der über 9'000 Mitglieder repräsentiert, schreibt in einer Mitteilung am Freitag, man habe als Mitglied der im Mai 2021 gegründeten nationalen ambulanten Tariforganisation umfassendes Wissen und grosse personelle und finanzielle Ressourcen eingebracht. Die Zusammenarbeit sei anspruchsvoll und aufwändig gewesen.

«Pauschalen müssen für alle anwendbar sein»

Doch die kritische und hinterfragende Haltung der Chirurgen stiess insbesondere in den einzelnen Arbeitsgruppen gemäss Mitteilung zuweilen auf Widerstand. Auch sei die Zusammenarbeit bis zuletzt zuweilen schwierig gewesen, heisst es weiter. Thematisiert wurden unter anderem Mängel, Verbesserungspotenzial und Datenqualität.
Ein wichtiger Punkt ist vor allem auch das Erfordernis der Allgemeintauglichkeit. «Pauschalen, die allenfalls ausschliesslich Spitälern und Versicherern dienen, werden in Zukunft nicht genügen», sagt FMCH-Präsident Michele Genoni.

Fachwissen innerhalb der FMH einbringen

Pauschalen müssten für alle, die damit abrechnen, passen. Sie nur auf die Bedürfnisse von Spitälern und Versicherern auszurichten, wenn damit Ärzte ihre Leistungen in Rechnung stellen sollen, ist gemäss FMCH nicht sachdienlich und nicht praxistauglich.
Der Verband habe all das verfügbare Know-How zu Pauschalen und alle Erfahrungen aus der Praxis nun eingebracht und der STS zur Verfügung gestellt. Künftig wollen die Fachärzte der FMCH ihr Wissen und ihre Erfahrung aber mit geeigneten Partnern in die Weiterentwicklung ambulanter Pauschalen einbringen. Erwähnt wird insbesondere die Tätigkeit innerhalb des Ärztedachverbands FMH und in Gremien, die fachärztliches Fachwissen zur Entwicklung von Pauschalen benötigten.

Ohne Ärzte gehe es nicht

Die weitere Entwicklung ambulanter und praxistauglicher Pauschalen sei Pflicht und Notwendigkeit, hält der Verband, der sich im Bereich neuer ambulanter Pauschalen als Pionerin bezeichnet, weiter fest. Aber es sei klar: «(...) ohne uns Ärzte ist ein Konzept für ambulante Pauschalen weder anwendbar noch wäre es durch den Bundesrat bewilligbar», so Genoni.
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