Tardoc soll vor ambulanten Pauschalen eingeführt werden

Willy Oggier und Ueli Kieser haben heute am FMH-Tarifdelegiertentag erklärt, weshalb Tardoc vollständig eingeführt werden sollte anstatt auf die ambulanten Pauschalen zu warten.

, 12. Mai 2022, 10:00
image
  • fmh
  • tardoc
  • tarmed
  • ambulante pauschalen
  • willy oggier
  • ärzte
Gesundheitsökonom Willy Oggier und Professor Ueli Kieser, Experte für Versicherungsrecht, haben heute am Tarifdelegiertentag der FMH ihr gemeinsames Gutachten zu den beiden Tarifsystemen für ambulant ärztliche Leistungen Tardoc und Ambulante Pauschalen vorgestellt. Diese sollen künftig Tarmed ablösen.  
Die beiden Experten kommen in ihrem gemeinsames Gutachten zu den beiden Tarifsystemen zum Schluss, dass Tardoc als System deutlich entwickelter ist und zudem alle ärztlichen Leistungen des ambulanten Spektrums umfasst. 
In ihrer Studie legen sie dar, weshalb es sinnvoller ist, Tardoc vollständig einzuführen und erst auf dieser Basis ambulante Pauschalen zu entwickeln, anstatt weiterhin zuzuwarten, bis ambulante Pauschalen weiterentwickelt sind. 
«Eine gleichzeitige Einführung des Einzelleistungstarifs Tardoc und der Pauschalen halten sie nicht für zielführend», schreibt die FMH in ihrer Medienmitteilung.

Die Basis des Tarifvertrags

Aus rechtlicher Sicht gelten laut FMH sowohl für den Einzelleistungstarif als auch für die ambulanten Pauschalen die gleichen Voraussetzungen und Prüfkriterien: diese sind ein kohärentes Tarifmodell, darauf gestützt eine Tarifstruktur und ein sachgerechter Tarifvertrag. 
Ambulante Pauschalen und Einzelleistungstarife müssen dieselben Anforderungen erfüllen. Sie müssen dem Gesetz entsprechen und damit eine zweckmässige, qualitativ hochwertige Medizin ermöglichen. Weiter müssen sie mit dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und dem Gebot der Billigkeit in Einklang stehen. 
«Für die Vertragspartner gilt das Prinzip der Vertragsfreiheit und der Tarifautonomie», wird Ueli Kieser in der Medienmitteilung zitiert. «Die Vertragsparteien vereinbaren einen Tarifvertrag, die Genehmigungsbehörde prüft, ob dieser mit dem Gesetz und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und der Billigkeit in Einklang steht. Wenn diese Grundsätze erfüllt sind, dann ist der Vertrag zu genehmigen.»

Tardoc als System deutlich entwickelter

Aus gesundheitsökonomischer Sicht erweise sich Tardoc als deutlich weiter entwickeltes System. «Es basiert auf einer transparenten Datengrundlage, in der die wesentlichen Parameter offengelegt und definiert sind. Und es bezieht neuste wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Medizin ein», sagt Willy Oggier.
Bei den ambulanten Pauschalen hingegen zeigt die Studie zahlreiche Mängel und weiteren Konkretisierungsbedarf auf: So bleibe die Datenbasis unklar, Abgrenzungen zu Nicht-Pflichtleistungen im ambulanten Bereich wie zum Beispiel der Hotellerie im Spital seien zu wenig klar. 
Zudem seien die Daten dazu nur aus den Ist-Kosten von Spitälern erhoben worden. «Die Mehrheit der relevanten Leistungserbringer – frei praktizierende Ärzte sowie Gemeinschaftspraxen – sind nicht berücksichtigt. Bis dato liegt auch kein Konzept der statischen Kostenneutralität vor», ist der FMH-Mitteilung weiter zu entnehmen.

Empfehlung der Autoren

Die Autoren empfehlen der Genehmigungsbehörde, Tardoc vor den ambulanten Pauschalen einzuführen. Mit diesem Tarifsystem werde ein Anreiz für mehr Kosteneffizienz bei gleicher Qualität gesetzt. Zudem erhalte die Genehmigungsbehörde die nötige Transparenz für die Beurteilung der ambulanten Tarife. 

Zum Gutachten

Das Gutachten von Oggier und Kieser beurteilt die beiden Tarifsysteme in Bezug auf ihre Angemessenheit und ihre Datengrundlage. In ihrer Studie nehmen die Autoren eine gesundheitsökonomische Einordnung und eine rechtliche Analyse von Art. 43 Abs. 5 KVG vor. Darauf aufbauend ordnen sie aus gesundheitsökonomischer und rechtlicher Sicht ein, wie der Artikel zu verstehen und umzusetzen ist.
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Not im Notfallzentrum: Jetzt wollen Zuger Hausärzte helfen

Das Zuger Notfallzentrum ist an seiner Belastungsgrenze. Nach einem Aufruf der Ärztegesellschaft wollen rund 20 Arztpraxen unter die Arme greifen.

image

Blutvergiftung: Experten geben nationalen Aktionsplan bekannt

Just zum Welt-Sepsis-Tag von heute Dienstag lanciert ein Schweizer Experten-Gremium einen Aktionsplan, der die Behandlung von Menschen mit Sepsis verbessern soll.

image

Synlab – offene Türen zwischen Forschung und Genetik

Synlab ist eines der führenden Labore im Bereich der genetischen Diagnostik. Die Leiterin Genetik Tessin, Dr. Giuditta Filippini, gilt als eine Pionierin in der Präimplantationsdiagnostik in der Schweiz.

image

Begrüssung per Handschlag: Fast zwei Drittel der Ärzte würden verzichten

Beim Händeschütteln sind ärztliche Fachpersonen und medizinische Praxisassistentinnen (MPA) zurückhaltender als ­ihre Patienten. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage aus dem Kanton Bern hervor.

image

Pauschalensystem: Chirurgen beenden Zusammenarbeit mit Tariforganisation

Der Verband der Spezialärzte FMCH stiess bei der nationalen ambulanten Tariforganisation Solutions Tarifaires Suisses (STS) auf Widerstand.

image

Medizinischer Rat für Freunde? Besser nicht!

Oft stecken Ärzte oder Pflegefachleute im Zwiespalt: Verwandte oder Bekannte möchten medizinischen Rat. Medinside zeigt, wie man professionell damit umgeht.

Vom gleichen Autor

image

Schaffhausen: Spitalrat befördert Boris Jung

Die Spitäler Schaffhausen haben den bisherigen Oberarzt zum Leitenden Arzt für ambulante Psychiatrie ernannt.

image

Annette Ciurea verlässt das Spital Männdorf

Die Ärztin wechselt in die Geschäftsleitung von Age Medical. Dort soll sie mitunter Angebote rund um die Palliative Geriatrie weiterentwickeln.

image

Freiburg: Das ist der neue Leiter Innere Medizin

Julien Vaucher wird Leiter des Departements Innere Medizin und Fachbereiche am Freiburger Spital. Heute herrscht dort eine Leitung ad interim.