Was Ärztinnen und Ärzte in der Praxis wirklich frustriert

Der grösste Frustfaktor in der Arztpraxis ist Bürokratie. Aber nicht nur, wie eine grosse Umfrage mit 23'000 Ärztinnen und Ärzten aus dem Nachbarland jetzt zeigt.

, 13. Dezember 2022, 14:00
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Die Belastung im Gesundheitswesen hat in den letzten Jahren noch einmal zugenommen. Das spiegelt sich auch in der Zufriedenheit im Beruf wider. | zvg
Was frustriert die Ärzteschaft in Praxis oder Klinik in Deutschland am meisten? Der am häufigste genannte Auslöser ist die Bürokratie im Alltag, wie aus einer Umfrage des Medizintechnik-Beraters Medizinio hervorgeht. Weitere Frustfaktoren sind elektronische Angebote wie das aktuell in Deutschland schleppend einzuführende E-Rezept. Und auf dem dritten Platz: die störungsanfällige Telematik-Infrastruktur.
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Screenshot Medizinio

Was Ärzte auch noch stört

Weitere Gründe für Frust in der Praxis sind Sorgen um die Wirtschaftlichkeit der Praxis, die hohen Energie- und Gaskosten, die langen Arbeitszeiten und der Umgang mit Patientinnen und Patienten. Immer wieder wurde aber auch eine mangelnde Wertschätzung genannt, seitens der Patienten und auch der Politik und der Krankenkassen.
Insgesamt haben 23'000 Ärztinnen und Ärzte an der Online-Umfrage teilgenommen. Über 80 Prozent waren niedergelassene Ärzte. Die grösste Gruppe, die an der Befragung teilgenommen hat, ist in der Allgemeinmedizin tätig. Insgesamt waren 18 unterschiedliche Fachbereiche vertreten.

Über die Hälfte denkt an Jobwechsel

Die Frustfaktoren wirken sich offenbar auch auf die Jobzufriedenheit aus: Immerhin ist über ein Drittel der Befragten mit dem Ärzteberuf noch zufrieden. Weniger als ein Drittel zeigt sich neutral, doch der restliche knappe Drittel ist unzufrieden. 38 Prozent der Befragten waren zudem vor Beginn der Corona-Pandemie zufriedener in ihrem Job gewesen. Und über 60 Prozent der Befragten haben darüber hinaus in den letzten zwei Jahren über eine Jobwechsel nachgedacht.
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