UPD: Therapie zu Hause erfolgreicher als Klinikaufenthalt

Kinder und Jugendliche mit schweren psychischen Erkrankungen könnten langfristig mehr von einer Therapie zu Hause profitieren als von einer stationären Behandlung.

, 21. März 2025 um 07:00
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Kinder während einer Kunsttherapie. Bild: UPD
Eine Langzeitstudie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) und der Universität Bern zeigt: Kinder und Jugendliche mit schweren psychischen Erkrankungen könnten langfristig stärker von einer Behandlung zu Hause als von einer stationären Therapie profitieren.
18 bis 24 Monate nach Therapieende wiesen junge Patienten, die im Rahmen des Modellprojekts «At Home» zu Hause behandelt wurden, deutlich weniger psychiatrische Symptome auf als jene, die stationär behandelt wurden. Zudem war ihr psychosoziales Funktionsniveau signifikant höher.
  • Daniel Graf, Stefan Lerch, Ulrich Böhnke, Corinna Reichl, Michael Kaess: «Comparison of the long-term outcome of home vs. inpatient treatment: 18–24 months follow-up of a non-randomized controlled trial», in: «European Child & Adolescent Psychiatry», Februar 2025.
Seit Mai 2019 erprobt die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie im Rahmen des Modellprojekts «At Home» ein neues Therapieangebot: Anstatt in der Klinik werden Kinder und Jugendliche mit akuten psychischen Erkrankungen in ihrem gewohnten Umfeld behandelt.
Ein spezialisiertes Team besucht sie regelmässig zu Hause und bezieht dabei Eltern, Geschwister, schulische Betreuungspersonen oder auch Freunde in den Therapieprozess mit ein.
Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass diese Form der Behandlung kurzfristig genauso wirksam ist wie eine stationäre Therapie. Die nun in «European Child & Adolescent Psychiatry» veröffentlichte Langzeitstudie belegt, dass sie sogar nachhaltigere Effekte erzielen kann.

Weniger Rückfälle

Ein entscheidender Vorteil des Home Treatments sei der intensive Einbezug des sozialen Umfelds. Dadurch liessen sich in der Therapie erlernte Strategien leichter in den Alltag übertragen, heisst es in einer Mitteilung. «Unsere Studie zeigt, dass die aufsuchende Therapie nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig eine nachhaltige Verbesserung für Kinder und Jugendliche mit schweren psychischen Erkrankungen bewirken kann. Der intensive Einbezug des sozialen Umfelds ist ein zentraler Erfolgsfaktor», sagt Michael Kaess, Direktor und Chefarzt der KJP,
Das Risiko eines Rückfalls in alte Muster wird durch diese Therapieform erheblich reduziert. Die Ergebnisse der Langzeitstudie liefern somit ein starkes Argument für den Ausbau von aufsuchenden psychiatrischen Behandlungen.
  • psychiatrie
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