So will Santésuisse die Gesundheitskosten in den Griff kriegen

Es gibt einige Lösungsansätze, wie die steigenden Gesundheitsausgaben gestoppt werden könnten. Der Krankenversicherer-Verband Santésuisse will auf mehreren Ebenen ansetzen.

, 21. Oktober 2022, 07:45
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Für viele Menschen stellen die Krankenkassenprämien eine grosse finanzielle Last dar. | Screenshot Santésuisse
Seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes im Jahr 1996 haben sich die Kosten in der Grundversicherung mehr als verdoppelt. Pro Jahr beträgt das Wachstum 3 bis 4 Prozent. Zum Vergleich: Die Nominallöhne sind in den letzten zehn Jahren im Schnitt um 0,7 Prozent und das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,2 Prozent gestiegen.
Im vergangenen Jahr sind die Kosten zu Lasten der Grundversicherung hauptsächlich auf Grund der Mehrkosten aus der Corona-Pandemie um 6,4 Prozent gestiegen, was nun zu höheren Prämien führt. Und im laufenden Jahr beträgt das Kostenwachstum rund 4 Prozent.
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Screenshot Santésuisse

Keine Besserung in Sicht

Auch für das kommende Jahr geht eine Prognose von Santésuisse mit einem erneuten Kostenwachstum von rund 4 Prozent aus. Der Krankenkassenverband erwartet die stärksten Kostensteigerungen für das Jahr 2023 im ambulanten Sektor (Ärztinnen und Ärzte sowie Spitalambulatorien) und bei den Medikamenten. Ebenfalls ein starkes Wachstum wird in den Bereichen Physiotherapie und Spitex erwartet.

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Screenshot Santésuisse

Die wichtigsten Faktoren des Kostenwachstums

Für den Krankenkassen-Verband sind die falschen Anreize, die Über- und Fehlversorgung sowie überteuerte Preise im Schweizerischen Gesundheitswesen die Gründe für die stark steigenden Kosten.
Zudem hätten nicht nachgeholte aufgeschobene Behandlungen während der Corona-Pandemie gezeigt, dass gewisse Behandlungen offenbar unnötig waren, steht in der aktuellen Publikation «Bezahlbare Prämien für alle» weiter zu lesen.

Lösungen lägen auf dem Tisch

Die Situation sei «ernst» und es bestehe «dringender Handlungsbedarf», schreibt Santésuisse-Direktorin Verena Nold.
Santésuisse präsentiert auch gleich ein Massnahmenpaket. Jeder Akteur sei gefordert, einen Beitrag für bezahlbare Prämien zu leisten: Versicherer und Leistungserbringer, Bund, Kantone und Politik. Konkrete Lösungsvorschläge lägen auf dem Tisch, die umgesetzt werden könnten.

Die Lösungsvorschläge des Verbands:

  • Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) muss die Medikamentenpreise senken. Zudem müssen die Preise von Generika- und Biosimilars periodisch überprüft werden und es sollen mehr Generika verschrieben werden.
  • Die Krankenversicherer und die Leistungserbringer schaffen gemeinsam einen Arzttarif, basierend auf Pauschalen kombiniert mit einem Einzelleistungstarif. Hinzu sollen in Tarifverträgen Kostensteuerungselemente kommen.
  • Die Kantone müssen die Zahl der Ärztinnen und Ärzte beschränken (Stichwort: Zulassungssteuerung).
  • Es braucht eine integrierte und überregionale Spitalplanung.
  • Der Bund muss unnötige Leistungen sofort aus dem OKP-Katalog streichen (WZW-Kriterien und Health Technology Assessment).
  • Mangelhafte Digitalisierung: Das faktisch gescheiterte EPD-Projekt soll zwecks Kosteneffizienz wieder auf Vordermann gebracht werden.
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