Föderation der Schweizer Psychologen erhebt beim BAG Beschwerde gegen Santésuisse

Grund für die Beschwerde: Der Krankenkassenverband weigert sich, die Leistungen von Psychotherapeuten in Weiterbildung zu übernehmen. Das gefährde den Beruf.

, 12. Januar 2023 um 11:12
image
Lange Wartelisten gibt es für Kinder und Jugendliche, die psychologische Hilfe benötigen. | Symbolbild Freepik
Die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP) hat bei der Aufsichtsbehörde, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), Beschwerde gegen Santésuisse erhoben.
Der Grund für diese Massnahme: Die Krankenkassen von Santésuisse weigern sich, Leistungen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Weiterbildung via ihre Aufsichtsperson abzurechnen.
Santésuisse nehme dafür die Umstellung auf das neue Anordnungsmodell als Vorwand, wordurch «nicht nur Tausende Patientinnen und Patienten im Regen stehen gelassen werden. Mit diesem Schritt werden die Weiterbildung von hunderten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verhindert».
Und dies, obschon die psychische Gesundheit in bestimmten Gruppen in der Schweizer Bevölkerung bereits geschwächt se, schreibt die FSP in einem Communiqué.

Angebot geringer als Nachfrage

Laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (OBSAN) gehören psychische Erkrankungen zu den häufigsten und am stärksten beeinträchtigenden Erkrankungen in der Schweiz.
Das Angebot an Psychotherapie sei zurzeit geringer als die Nachfrage – insbesondere für Jugendliche und Kinder sowie in Randgebieten, ist weiter zu lesen.

BAG in der Pflicht

Nun hat die FSP bei der Aufsichtsbehörde, dem BAG, Beschwerde gegen die Versicherungen von Santésuisse erhoben. Das BAG soll prüfen, ob mit dieser Ablehnung der gesetzliche Auftrag – sprich: die gesundheitliche Grundversorgung der Patienten zu gewährleisten –, noch erfüllt werde.
Für die FSP ist klar: Das Verhalten von Santésuisse stellt das Weiterbildungssystem für Psychotherapeuten grundsätzlich infrage. Der Versicherer handle so im Widerspruch zum Bundesrat.
Denn dieser habe wiederholt bestätigt, dass die Leistungen von Psychotherapeuten in Weiterbildung über die Betreuungspersonen von den Krankenkassen zu bezahlen seien.

Zum Werdegang der Therapeuten

Wer in der Schweiz selbstständig psychologische Psychotherapie praktizieren will, muss den Weiterbildungstitels «eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin» oder «eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut» erwerben.
Voraussetzung dafür ist ein abgeschlossenes Masterstudium in Psychologie. Die Weiterbildung dauert anschliessend rund sechs Jahre. Um selbständig über die Grundversicherung abrechnen zu dürfen, sind mindestens drei Jahre klinische Erfahrung notwendig.
Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die über die Grundversicherung abrechnen, müssen zudem eine Zulassung ihres Kantons besitzen.

Das neue Anordnungsmodell

Das sogenannte Anordnungsmodell ist am 1. Juli 2022 in Kraft getreten. Psychologische Psychotherapien werden seither von der Grundversicherung gedeckt.
Der Wechsel zum Anordnungsmodell betrifft auch die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Weiterbildung.
Wie vom Bundesrat und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) mehrfach bestätigt, seien die Leistungen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Weiterbildung über die betreuende Person abzurechnen, schreibt die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP) im Communiquè. Die betreuende Person trägt auch die Verantwortung für die Psychotherapie.

Alt versus neu

Im alten Modell war die Betreuungsperson eine Psychiaterin oder ein Psychiater; im neuen ist es ein psychologischer Psychotherapeut oder eine psychologische Psychotherapeutin.
Für die FSP ist klar: Die Möglichkeit zur Abrechnung durch eine betreuende und für die Therapie verantwortliche Fachperson ist ein tragender Pfeiler des Schweizer Gesundheitssystems.
«Dies gilt für die Weiterbildung von Psychotherapeuten sowie wie für die Weiterbildung von Assistenzärzten.» Genauso wie diese würden psychologische Psychotherapeuten in Weiterbildung jährlich mehrere Tausend Patientinnen und Patienten unter qualifizierter Aufsicht betreuen.

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Ostschweizer Kantone fordern EPD-Stopp

In der aktuellen Form bringe das Projekt kaum Nutzen: Es habe zu viele Konstruktionsfehler. Die Ostschweizer Regierungskonferenz verlangt deshalb einen Zwischenhalt.

image

Streit ums Geld: Neue Medikamente kommen immer später unter die Leute

Die Wartezeit bis zur Aufnahme neuer Mittel in die Spezialitätenliste wächst. Das BAG und die Pharmaindustrie schieben sich gegenseitig den Ball zu.

image

«Friendly Work Space» – diese Spitäler tragen neu das Label

Die Gesundheitsförderung Schweiz zeichnet Unternehmen aus, die besonders gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen schaffen.

image

BAG senkt Arzneimittelpreise bei 350 Medikamenten

Die Preise werden dabei durchschnittlich zehn Prozent billiger. Das Bundesamt für Gesundheit erhofft sich dadurch Einsparungen von 120 Millionen Franken.

image

Ärzteverbände fordern mehr Studienplätze

Trotz steigender Medizin-Studienabschlüsse fordert der Haus- und Kinderärzteverband mehr Studienplätze.

image

Deshalb sollte Ekel im Beruf kein Tabu sein

Das Gefühl von Ekel wird oft unterdrückt. Doch es ist nicht unprofessionell, sich zu ekeln. Sondern ganz normal im Mediziner-Alltag.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.