Zürich: 4,7 Milliarden Franken für Spital-Neubauten

Dass die Spitäler bauen wie wild, ist allgemein bekannt. Aus dem Kanton Zürich gibt es jetzt Überblickszahlen – zum Beispiel, dass 400 neue Betten geplant sind.

, 2. Dezember 2015, 14:16
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Gut 2,6 Milliarden Franken zehn Jahren: So viel Geld fliessen alleine im Kanton Zürich in die Spitalinfrastruktur. Die «Neue Zürcher Zeitung» hat eine Umfrage bei den Zürcher Listenspitälern gemacht – und heraus kamen gewaltige Summen für gewaltige Neubaupläne. 
Denn zu den erwähnten Beträge – für Bauprojekte im Zeitraum zwischen 2013 und 2023 – kommt noch ein schwerer Brocken: Die Umgestaltung des Zürcher Hochschulquartiers in den nächsten 30 Jahren, wobei 2,1 Milliarden Franken für das Universitätsspital gedacht sind.

Fussballstadion scheitert, Spitalneubauten klappen

2,6 Milliarden plus 2,1 Milliarden: Wie die NZZ errechnet, könnte man mit diesen 4,7 Milliarden Franken etwa 20 Fussballstadien bauen. Für Nicht-Zürcher: Das neue Fussballstadion in der Stadt hätte die Öffentlichkeit 216 Millionen Franken gekostet – und war an der Urne gescheitert.
Als Neubauten zu erwähnen sind jene des Kinderspitals (600 Millionen Franken), Erweiterungsbauten beim Triemli (438 Millionen), des Kantonsspitals Winterthur (350 Millionen) und des Spitals Limmattal (270 Millionen Franken). Dabei – so hat die «Neue Zürcher Zeitung» weiter recherchiert – wird auch der Platz für knapp 400 neue Spitalbetten geschaffen; derzeit sind es 4'344 Betten im Kanton Zürich.

«Bauboom trotz Sparkurs: Zürcher Spitäler investieren Milliarden», in: «Neue Zürcher Zeitung» 2. Dezember 2015

Die Gründe sind bekannt – sie werden bei jeder Lancierung eines Spitalneubaus genannt, allenfalls mit wandelnder Gewichtung: veraltete Infrastruktur, Kapazitätsengpässe, der Wunsch nach individuelleren Spitalzimmern, Optimierung der Abläufe. 
So weit, so nachvollziehbar. Einen interessanten Aspekt bringt allerdings ein Immobilienexperte der Beratungsfirma PwC ein, nämlich die inhärente Gefahr der Fehlplanung: Wenn so viel gebaut wird, wird auch falsch gebaut – zum Beispiel in Form von Überkapazitäten. Die Rechnung des PwC-Immobilienexperten Christian Elsener: Wenn 10 Prozent falsch eingesetzt werden, dann würden im Kanton Zürich bereits mehrere hundert Millionen Franken in den Sand gesetzt.

Rettung der Wahlfreiheit

Ob das wirklich passiert, wird man wohl erst in etwa zehn Jahren beurteilen können. Eine beruhigende Stimme dazu ist Thomas Heiniger, der Zürcher Gesundheitsdirektor: Er wendet im NZZ-Interview ein, dass der Kanton ja bereits um die Jahrtausendwende massiv Kapazitäten abgebaut habe – und inzwischen eine hohe Bettenauslastung hat. «Wenn man die Wahlfreiheit nicht ganz aushöhlen will, dann sind diese Kapazitäten, die wir heute haben, nötig.» Und wenn der Grossraum Zürich eine Wachstumsregion bleibe, sollten sich die Neubauten also dereinst rechnen.
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