Sportmedizin: Diese Genfer Privatklinik will in Europa an die Spitze

Im Herbst eröffnet die grösste Genfer Privatspitalgruppe l’Hôpital de La Tour in Meyrin ein neues Kompetenzzentrum für Sportmedizin. Die Klinik rekrutiert dafür zahlreiche Spezialisten.

, 29. April 2016, 13:36
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Was vor über 20 Jahren in einem 5'000 Franken teuren Container angefangen hat, baut die Privatklinikgruppe l’Hôpital de La Tour derzeit zu einem Kompetenzzentrum für Sportmedizin aus. 
In Meyrin im Kanton Genf investiert das grösste Genfer Privatspital über 120 Millionen Franken für einen Neubau. Auf einer Fläche von 12'000 Quadratmetern medizinischer Nutzfläche entstehen vier neue Operationssäle und Behandlungszimmer, eine neue Pflegeabteilung sowie 50 zusätzliche Betten in Einzelzimmern.

Nicht nur für Zusatzversicherte

Insbesondere auf dem guten Ruf des Spitals in der Sportmedizin will das Hôpital de La Tour aufbauen. Im neuen Gebäude sollen über 20 Spezialisten tätig sein – 6 Sportmediziner und 14 Orthopäden.
Das neue Gebäude ist nicht nur für Zusatzversicherte gedacht, sondern gleichzeitig für Patienten mit Grundversicherung. Denn sportmedizinische Probleme belastet heute die gesamte Bevölkerung, nicht nur Profi-Sportler, erklärt Finn Mahler der Zeitung «Tribune de Genève». Mahler ist seit Beginn des sportmedizinischen Angebots der Klinik mit dabei. 

Weniger Elite-Sportler als früher 

Mahler zieht es vor, sich als Bewegungsmediziner statt Sportmediziner zu bezeichnen. Die Entwicklung auf diesem Gebiet sei bemerkenswert. «Früher waren wir Spezialisten. Heute sind wir Spezialisten in unserem Spezialgebiet», sagt er. Heute gebe es Knie-, Schulter, Fuss-, Hüfte oder Rückenspezialisten, während früher ein Orthopäde alles behandelte. 
Das Spital verzeichnet jährlich rund 20’000 Konsultationen in diesem Bereich. Aber nur noch 30 bis 40 Prozent seiner Patienten sind – anders als früher – Elite-Sportler, so Mahler. Bei anderen Klinikärzten sei der Anteil zwischen 10 und 20 Prozent. 
Die Privatklinikgruppe unter dem Firmennamen HDLT gehört seit 2013 der Firma Gestron, ein hauseigenes Familienbüro (Family Office) der Familie Latsis. Unter anderem hält die in Genf und Monaco domizilierte Familie Beteiligungen an der Bank EFG International. 

Rekrutierung ist im Gang

Mit dem Neubau steigt der Personalbedarf. Das Kompetenzzentrum braucht Spezialisten. Die muss das Spital irgendwo finden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Spital die besten Köpfe mitunter von der Universitätsklinik Genf (HUG) holt.
«Ich bin für den Wettbewerb», sagt Mahler der Zeitung. Der Markt hier sei gross. Und Mahler stellt zudem klar, dass er in keiner Weise die Arbeit der Hausärzte in Frage stelle. «Sie bleiben für das erste Screening wesentlich. Wir übernehmen dann, wenn es weitere Untersuchung erfordert.»

«Für die Sportmedizin von morgen»

Die Eröffnung des Neubaus ist für Herbst 2016 geplant. Das Ziel sei ein Referenzzentrum – zumindest für die Schweiz und Europa. Das neue Gebäude neben der bestehenden Klinik soll zudem Platz für Forschung und Ausbildung schaffen.
Geplant sind unter anderem auch ein Biomechanik-Labor, eine Hypoxiekammer, Hydrotherapie, Kryotherapie oder eine Spezialabteilung für Schädeltrauma. 

Über 300'000 ambulante Fälle 

Die Privatklinik hat bereits 170 Betten. Das Spital gehört zur HDLT-Gruppe, das auch die Clinique de Carouge mit 20 Betten und das Centre Médical in Meyrin betreibt. Insgesamt beschäftigt die Privatspitalgruppe etwa 950 Mitarbeitende, darunter 350 Belegärzte.
Im Jahr 2015 behandelte das Spital in Meyrin, das Swiss Olympic Medical Center zertifiziert ist,  6’450 stationäre Patienten und verzeichnete über 303'000 ambulante Fälle.

Zahlen 2015 (Zahlen 2014)


  • Einnahmen: 204,5 Millionen Franken (205,9 Millionen Franken)
  • Ausgaben: 156,6 Millionen Franken (156,2 Millionen Franken)
  • Operatives Ergebnis: 17 Millionen Franken (18,6 Millionen Franken)
  • Der EBITDA 47,8 Millionen Franken (49,7 Millionen Franken)
  • EBITDA-Marge: 23,4 Prozent (24 Prozent)
  • Reinverlust: 0,9 Millionen Franken nach Finanzaufwendungen und Refinanzierungskosten (Gewinn: 1,2 Millionen Franken)


 

 
 

Zum Geschäftsbericht 2015



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