Xenotransplantation: Patient mit Schweineherz gestorben

Der erste Empfänger eines genetisch veränderten Tierherzens überlebte den Eingriff um zwei Monate.

, 9. März 2022, 14:45
image
  • forschung
  • transplantationen
David Bennett ist tot. Der 57jährige US-Bürger war Anfang Januar weltweit bekannt geworden, weil er als erster Patient ein genetisch modifiziertes Schweineherz empfangen hatte. 
Wie die University of Maryland nun mitteilt, begann sich sein Zustand vor einigen Tagen zu verschlechtern. Bennett, der an einer unheilbaren Herzkrankheit gelitten hatte, verstarb am 8. März 2022.
Das Schweineherz habe mehrere Wochen lang gut funktioniert: Anzeichen einer Abstossung habe es keine gegeben, so die in Baltimore angesiedelte Universitätsklinik. Bennett verbrachte Zeit mit seiner Familie und nahm an Physiotherapien teil – wobei er sich unter Aufsicht auch das Super-Bowl-Finale ansah. Allerdings blieb er nach der Operation stets in der Klinik

Experimenteller Eingriff

Der Patient war im Oktober 2021 erstmals aufgenommen worden. Er musste an eine Herz-Lungen-Bypass-Maschine (ECMO); andererseits wurde er als ungeeignet eingestuft für eine konventionelle Transplantation eines menschlichen Herzens. 
Am 31. Dezember erteilte die Aufsichtsbehörde FDA eine Notfall-Zulassung für die Operation mit einem genetisch modifizierten Schweineherz – in der Hoffnung, das Leben von David Bennett zu retten. Zugleich war der Patient informiert worden, dass er sich einem experimentellen Eingriff unterziehen würde.

«Wir bleiben optimistisch»

«Wir haben unschätzbare Erkenntnisse gewonnen, indem wir lernten, dass ein genetisch verändertes Schweineherz im menschlichen Körper gut funktionieren kann, wobei das Immunsystem angemessen unterdrückt wird», sagt Muhammad M. Mohiuddin, Professor für Chirurgie und Leiter des Programms für kardiale Xenotransplantation an der University of Maryland: «Wir bleiben optimistisch und planen, unsere Arbeit in zukünftigen klinischen Studien fortzusetzen.»
Und der zuständige Operateur, Bartley P. Griffith, sagt: «Wie bei jeder weltweit ersten Transplantation führte auch diese zu wertvollen Erkenntnissen, welche Transplantationschirurgen hoffentlich helfen werden, die Ergebnisse zu verbessern und möglicherweise lebensrettende Vorteile für zukünftige Patienten zu erlangen.»
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Das sind die «Young Talents» der klinischen Forschung in der Schweiz

Der diesjährige «Young Talents in Clinical Research» unterstützt diese 14 jungen Ärztinnen und Ärzte aus Spitälern in der ganzen Schweiz.

image

Studie: Klarspüler beschädigt Schutzschicht des Darms

Professionelle Geschirr-Spülmaschinen sind mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Dies zeigen Forschende um die Universität Zürich.

image

Unispital Lausanne und Kernforscher entwickeln Super-Strahlengerät

Das Unispital Lausanne und die Kernforschungs-Einrichtung Cern haben grosse Pläne: In zwei Jahren wollen sie eine Weltneuheit in der Krebs-Strahlentherapie präsentieren.

image

Dieses Rüstzeugs fehlt den Gesundheitsfachpersonen

Eine Studie zeigt: Im Hinblick auf die Herausforderungen im Berufsalltag gibt es bei der Vermittlung von Kompetenzen an Schweizer Fachhochschulen Nachholbedarf.

image

Leberkrebs: So gerät eine gesunde Zelle auf Abwege

Leberkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten. Basler Forschende haben nun herausgefunden, wie eine gesunde Leberzelle zur Tumorzelle wird.

image

Booster: Milde Schäden an Herzmuskel sind häufiger als angenommen

Ein Forschungsteam der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel hat die Auswirkungen der Covid-19-Booster-Impfung auf den Herzmuskel untersucht.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.