Wie gut ist die Praxis Dr. Google?

Medizinische Suchanfragen im Internet führen häufig zu Extremdiagnosen. Diese Aussage stützt eine aktuelle Studie des deutschen Krankenversicherers Central. Nur Seiten mit Qualitätssiegel sind unabhängig und seriös.

, 8. Oktober 2015, 08:41
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Für viele Patienten gilt: Google statt Arzt. Sie suchen im Netz nach der Ursache ihrer Beschwerden. Sie glauben: Dr. med. Google weiss alles.
Aber: er ist ein schlechter Arzt, wie eine umfassende Studie der Krankenkasse Central aus Deutschland zeigt. Denn viele Websites entsprechen nicht geltenden medizinischen Standards.
Platz 1: Schilddrüsenerkrankung 
Die Krankenkasse hat mehr als 41 Millionen Google-Suchanfragen der Deutschen zu insgesamt 50 Krankheiten und Diagnosen über zwölf Kalendermonate ausgewertet. Am meisten informieren sich die 14- bis 75-jährigen Gesundheitssurfer nach folgenden Krankheiten.

  1. Schilddrüsenerkrankungen
  2. Diabetes
  3. Hämorrhoiden
  4. Gastritis
  5. Magersucht
  6. Neurodermitis
  7. ADHS
  8. Depression
  9. Diarrhö
  10. Hypertonie

Die Resultate dürften in der Schweiz etwa ähnlich ausfallen. Um die Treffer der Suchmaschinenabfrage zu bewerten, erstellten die medizinischen Experten einen ganzen Katalog an Parametern: Vollständigkeit, Belegbarkeit, Ausgewogenheit, Transparenz oder weitere Angaben wie Autoren und Quellen.

Nur wenige Portale schnitten gut ab

Ganz wichtig aus Laiensicht war die Frage, wie verständlich ein Text wirklich war. Insgesamt standen 100 Websites auf dem Prüfstand. Um welche Online-Präsenzen es sich handelt, verraten die Autoren nicht.
Aus gutem Grund! Denn kein Internetauftritt erhielt das Prädikat «sehr gut»; 9 Portale waren «gut», 34 «befriedigend», 24 «ausreichend», 30 «mangelhaft» und 3 sogar «ungenügend».

Was oftmals fehlt

Schwächen gab es bei der Variationsbreite an Symptomen, aber auch bei der Darstellung therapeutischer Möglichkeiten. Beispielsweise ging eine Website auf Insulin ein, ohne orale Antidiabetika vorzustellen. Wissenschaftliche Belege vermissten Experten auf drei von vier Seiten, heisst es. 
«Angesichts der Tatsache, dass etwa 80 Prozent der Internetsurfer Gesundheitsinformationen im Netz suchen, ist dieses Ergebnis mehr als bedenklich», sagt Dr. Markus Homann, Leiter des Gesundheitsmanagements der Central Krankenversicherung.

Häufig Extremdiagnosen

Zu diesem qualitativ schlechten Resultat passt eine andere Studie. Die Firma Microsoft hat 2008 in einer gross angelegten Langzeitstudie das gesundheitsbezogene Suchverhalten untersucht. Das Ergebnis: «Art und Menge der online recherchierten medizinischen Inhalte standen in einem direkten Verhältnis zum Ausmass der Übertreibung der eigenen Krankheit».
Fairerweise muss allerdings auch gesagt werden, dass es Fälle aus der Praxis gibt, in denen Patienten bei ihren Recherchen zu einem richtigen Befund kamen, auf den der zuständige Mediziner nicht gekommen sei. Dies sagte etwa Guido Schwegler, der leitende Arzt der Abteilung für Neurologie am Spital Limmattal, in einem Interview mit der «Limmattaler Zeitung».

Garant für medizinische Seriosität

So oder so. Google und Co. ersetzen weder Arzt noch Apotheke. Es ist aber klar, dass Menschen auch künftig im Web nach Gesundheitsinformationen suchen werden. 
Verbindliche Standards gibt es bislang nicht – HONcode, afgis oder MediSuch kennen nur wenige Laien. Denn wer im Netz nach medizinischen Informationen sucht, sollte in jedem Fall nach diesen Qualitätssiegeln Ausschau halten.
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