Wie das BAG das Kostenwachstum dämpfen will

In der Schweiz verbringen Menschen 350’000 unnötige Tage pro Jahr im Spital. Das soll sich ändern, sagt der Vize-Direktor des Bundesamtes für Gesundheit.

, 4. November 2015, 11:09
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Die Kosten im Gesundheitswesen und damit die Prämien steigen ungebremst. «Es kann nicht weitergehen wie bisher», sagt BAG-Vizedirektor Oliver Peters in einem Interview mit der «Thurgauer Zeitung».
Das Ziel sei es, die Kosten nur so stark steigen zu lassen, wie es «aufgrund der demographischen Veränderungen gerechtfertigt ist». Peters geht von einem demographisch bedingten Kostenwachstum von 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr aus.
«Wenn wir jedes Jahr 4 oder 5 Prozent verzeichnen, ist das langfristig nicht zu halten. Das werden sich viele nicht mehr leisten können», so der BAG-Vizedirektor. Er erklärt auch gleich, wie das BAG unter anderem das Kostenwachstum dämpfen will:

  1. Zulassungssteuerung bei den Ärzten: Die Kantone müssten die Möglichkeit haben, jene Ärzte zuzulassen, welche sie tatsächlich brauchen – und bei den Spezialisten bremsen.
  2. Programm: Das BAG will die Qualität und die Patientensicherheit verbessern. «Wir gehen davon aus, dass die Menschen in der Schweiz 350’000 unnötige Tage pro Jahr im Spital verbringen, weil bei der Behandlung Fehler gemacht wurden oder vermeidbare Komplikationen auftraten», so Peters.
  3. Anpassungen beim Tarmed: Die Tarifpartner haben eine Gesamtrevision des Ärztetarifs Tarmed angekündigt. Das betrifft etwa die Radiologie, die Radiotherapie, die Augenheilkunde, die ambulante Chirurgie und einige Bereiche der Dermatologie und der Hals-, Nasen- und Ohrenmedizin. Sollte sie nicht erfolgen, wird der Bundesrat seine subsidiären Kompetenzen nutzen und einschreiten müssen.

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