Das kostet ein Spital in der Schweiz

Die Übernahme der Privatklinik Générale-Beaulieu durch Swiss Medical Network besagt auch etwas darüber, was solche Institutionen heute wert sind.

, 29. September 2016, 14:56
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187,5 Millionen Franken: So viel offeriert Swiss Medical Network für die Übernahme der Clinique Générale-Beaulieu in Genf (mehr dazu hier). Interessant ist der Fall, weil Klinik-Käufe erstens nicht alltäglich sind und zweitens meist diskreter abgewickelt werden.
Der Deal von Genf gibt also eine Ahnung für die Bewertung von Privatspitälern in der Schweiz. Wobei allerdings rasch klar wird, dass hier wohl ein sehr hoher Ausnahmepreis bezahlt wurde.

Weniger als 0,5 Prozent Zinsen

Wie hoch, das zeigt ein Blick auf die Abschlüsse der letzten beiden Geschäftsjahre: Im Jahr 2015 verbuchte Générale-Beaulieu einen Verlust von 3,1 Millionen Franken, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 4,4 Millionen erzielt worden waren. Zu den jüngsten roten Zahlen trugen einzelne Sonderfaktoren bei (etwa der Aufbau eines Anti-Aging-Zentrums, das wenig später wieder liquidiert werden musste). Dennoch: Nimmt man beispielsweise den Durchschnittsgewinn der letzten beiden Jahre, so ergäbe sich für die 187,5 Millionen ein Zinssatz von weniger als 0,5 Prozent (hier finden Sie Informationen zum Abschluss der Générale Beaulieu Holding 2015). 
Nimmt man andererseits den Ebitda, also den reinen Betriebsgewinn, so ist der Preis weiterhin sehr beträchtlich. Swiss Medical Network offeriert fast das 20fache des Durchschnitts-Ebitda der letzten beiden Jahre. Die «Handelszeitung» (Print) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein Multiplikator von 8 bis 12 in der Branche eher üblich sei.

Hinzu kommen weitere 25 Millionen

Oder nochmals anders betrachtet: Für die 187,5 Millionen Franken erhält Swiss Medical Network eine renommierte Klinik in Genf, gegründet 1899, mit 130 Betten, 450 Angestellten, 550 Belegärzten und rund 6'000 stationären Patienten pro Jahr.
Aber das ist noch nicht alles – denn auf den Kaufpreis kommen nochmals 25 Millionen Franken hinzu: Diese Summe will Swiss Medical Network in den nächsten drei Jahren in die Infrastruktur der neuen Genfer Tochter investieren.
Zu berücksichtigen ist allerdings auf der anderen Seite, dass die Klinik noch grosszügige Landreserven an guter Lage besitzt – 18'000 Quadratmeter, die bei den soliden Genfer Bodenpreisen locker mit gut 30 Millionen Franken zu bewerten wären.

Es geht eher um Strategie als um Rendite

Wie auch immer man es rechnet: Das neue Engagement von Swiss Medical Network in Genf scheint weitaus stärker von strategischen Impulsen geprägt als von betriebswirtschaftlichen Renditeüberlegungen.
Offenbar spielte sich an der Rhône eben auch ein Konkurrenzkampf ab, bei dem neben der benachbarten Clinique des Grangettes auch die Hirslanden-Gruppe mitspielte: Es ging um die Vorherrschaft im Privatklinik-Markt von Genf. Insgesamt fünf Unternehmen hätten sich um die Générale-Beaulieu Holding beworben, erfuhr die «Handelszeitung».

Ein Schnapp, kein Schnäppchen

Bekannt ist der strategische Anspruch von Swiss Medical Network, weiter kräftig zu wachsen. «Wenn sich eine unternehmerisch sinnvolle Möglichkeit ergibt», dann sei er an weiteren Klinik-Übernahmen interessiert, sagte Antoine Hubert in der HZ. Der starke Mann von Swiss Medical Network bestätigte dabei das bekannte Ziel: Sein Unternehmen will ein Netzwerk von mindestens 20 bis 25 Spitälern aufbauen.
Zu welchem Preis – davon hat man jetzt eine neue Ahnung bekommen.
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