USZ: «Jetzt besteht Hoffnung, dass sich das ändert»

Rita Ziegler tritt als Direktorin des Zürcher Universitätsspitals zurück. Einige Einschätzungen am Tag nach der Ankündigung.

, 11. September 2015, 07:17
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Der Rücktritt kam überraschend, obwohl Rita Ziegler so tat, als ob er eine normale Alterserscheinung sei. Doch der kleine Paukenschlag am USZ sorgte nur für mässige Aufregung in der Öffentlichkeit. Politiker liessen sich keine vernehmen zum Rücktritt der Direktorin des Unispitals – abgesehen natürlich von Spitalratspräsident Martin Waser –, und die Zeitungen beschränkten sich auf recht nüchternen Zusammenfassungen der Fakten. Sogar die «Neue Zürcher Zeitung» verzichtete auf eine weitergehende Kommentierung, Würdigung oder Analyse.
Einzig der «Tages-Anzeiger» nutzt Rita Zieglers gestrige Rücktrittsankündigung für eine Bilanz. Und diese fällt überaus positiv aus. Ziegler, so das grösste Zürcher Blatt, «kann mit sich zufrieden sein». Wobei besonders erwähnt wird, dass das USZ unter ihrer Leitung die neue Spitalfinanzierung mit Fallpauschalen «ohne nennenswerte Kollateralschäden umgesetzt» hat und ökonomisch «recht gut» dasteht.

«Es ist Zeit für einen Kulturwandel», in: «Tages-Anzeiger» / «Newsnetz»

Positiv wertet die Tagi-Kommentatorin sogar Rita Zieglers Konflikt mit der Ärzteschaft nach der Schaffung der neuen Bereichsleitungen 2011: «Ziegler kam mit dem festen Willen, als CEO zu führen, und mit dem Mut, sich unbeliebt zu machen», heisst es etwa. Oder: «Die Frau hat eine dicke Haut. Dass ihr der Spitalratspräsident in den Rücken fiel, nahm sie hin. Sie akzeptierte die Korrektur und machte weiter.» Oder: «Rita Ziegler hat einen starken Willen. Aufgeben ist nicht ihre Sache.»

Entspannteres Verhältnis zwischen USZ und Stadt

Genau dieser Stil aber habe zu allerhand Konflikten geführt – der «Tages-Anzeiger» verweist hier auf zahlreiche Rechtsfälle, die sich in einer anderen Kultur hätten vermeiden lassen. 
Und so könnte Zieglers Abgang womöglich zu einer Wendemarke werden: «Jetzt besteht Hoffnung, dass sich das ändert.» Mit Martin Waser und Urs Lauffer im Spitalrats-Präsidium sei ein Kulturwandel denkbar im Unispital: «Weg vom Einzelkämpfertum, hin zur Kooperation.» Als Zeichen dafür wird das entspanntere Verhältnis zwischen Unispital und Stadt nach einem jahrelangen Streit um die Herzchirurgie genannt – und die enge Zusammenarbeit von Uni- und Waidspital in der Geriatrie.

«Ich glaube, dass ich fast auf einem Höhepunkt gehen darf»

Auch das überraschende Element greift der Tagi auf: Ziegler hatte immer betont, sie wolle bis zur Pensionierung bleiben, vielleicht gar länger. Und jetzt dies? «Vielleicht passten sie und das neue Führungsduo nicht zusammen. Vielleicht wollen Waser und Lauffer eine Person ihres Vertrauens, um ihre Ziele zu verfolgen.»
Weshalb dieser Rücktritt, weshalb jetzt? Hier hakte auch das SRF-«Regionaljournal» nach – ohne allerdings viel mehr zu erfahren. Im Interview mit der Radiosendung verwies Rita Ziegler einmal mehr auf ihr Alter von bald 63 Jahren – und auf den Wunsch, eventuell wieder etwas Neues in Angriff zu nehmen. Man könne dem nicht ausweichen, die Zeit, wo man loslassen muss, komme unweigerlich.
«Wir haben so vieles erreicht, dass ich glaube, dass ich fast auf einem Höhepunkt gehen darf», so Rita Ziegler weiter.
Womit sie auf ihre Art ebenfalls andeutete, dass das Unispital an einer Wendemarke stehen könnte.
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