Unispital: Wo die Hierarchie keine Rolle spielt

Im Institut für Notfallmedizin am Universitätsspital Zürich (USZ) ist die Burnout-Quote relativ tief. Dazu trägt die gute Teamarbeit bei, sagen Mitarbeitende.

, 27. Mai 2021 um 09:13
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Im vergangenen Jahr lagen Kardiologen und Herzchirurgen am Unispital Zürich (USZ) im Dauerstreit und führten Privatkriege. Als Ursache für die Konflikte wurden Eigenschaften wie Narzissmus, Neid oder Machtstreben ins Spiel gebracht. 
Anders sieht es in der Notfallmedizin aus: Dort ist von solchen Rivalitäten nichts zu spüren. Dies zumindest zeigt ein 30-minütiger Beitrag auf SRF, in dem Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachprofis in einer Spätschicht begleitet werden (Link unten).   

Entspricht nicht der Norm am USZ

«Eitelkeit hat kein Platz hier bei uns auf der Notfallmedizin», sagt Dagmar Keller, die seit sieben Jahren als Direktorin das Institut für Notfallstation leitet. Hier gehe es um Menschenleben und nicht um die Hiearchiestufe. Der Kardiologie-Professorin und Fachärztin für Innere Medizin sind gelebte Fehlerkultur und eine flache Hierarchie wichtig.
Der Beitrag zeigt eindrücklich die gelebte Teamarbeit. Alle sind per Du miteinander. Oberärztin Aline Herzog sieht sich in der Rolle als Captain, die das Team aufstellen müsse und für die Taktik zuständig sei. Die 39-Jährige arbeitet seit sechs Jahren am Unispital.

Anstrengender Job, aber befriedigend

«Es ist ein Stressjob, doch wir sind ein gutes Team», ergänzt Herzog. Trotz wenig Pausen schätze sie es, wenn sie nicht wisse, was komme. Sie mag diese «Unruhe» im Notfall. Dem stimmt im Beitrag auch Arbeitskollege Christian Tek zu, er ist diplomierter Notfallexperte.
Die Burnout-Quote ist Oberärztin Herzog zufolge relativ tief. Für sie hänge vieles mit dem Umfeld zusammen und wie man es im Team habe, findet sie. Es sei zwar anstrengend, aber befriedigend. Ein ruhiger Job, der nicht so viel Sinn ergebe, sei Burnout gefährdeter, so Herzog. 
  • SRF Reporter: «Spätschicht auf dem Notfall – Der ganz normale Wahnsinn» (Dauer 32:41 Minuten)
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