Trotz Corona: Umsätze der Spitäler nicht eingebrochen

Aktuelle Zahlen der Grundversicherer zeigen: Das Minus der Leistungserbringer ist wegen der Corona-Pandemie viel kleiner als erwartet.

, 28. Juli 2020 um 06:02
image
Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Massnahmen sind geringer als von den Leistungserbringern prognostiziert. Dies zeigen die Zahlen der Grundversicherer für das erste Halbjahr, die der NZZ vorliegen. Das Resultat: Es kam weder zu einem Anstieg noch zu einem Rückgang der Kosten für die Krankenkassen. Von Anfang Januar bis Ende Juni resultierte eine schwarze Null.
So fielen im Mai 2020 pro versicherte Person Kosten von 287 Franken an. Im Mai des Vorjahres waren es 349 Franken gewesen. Im Juni lagen die Kosten bereits wieder höher als noch in der Vorjahresperiode.  Das bedeutet, dass die Leistungserbringer ihre Kapazitäten nach der Aufhebung des Verbots für nicht dringliche Behandlungen schnell wieder hochfuhren.

Doch keine Millionenverluste

Zwischen den Leistungserbringern gibt es allerdings Unterschiede: Die grössten Einbussen gab es bei den Physiotherapeuten, deren Einkünfte um rund acht Prozent abnahmen, was trotzdem überraschend tief ist. Einen Rückgang von rund vier Prozent gibt es in den Arztpraxen. Hingegen konnten die Apotheken ihren Umsatz um rund fünf Prozent steigern.
Besonders überraschend ist: Bei den Spitälern sind die Umsätze sowohl im stationären wie auch im ambulanten Bereich praktisch gleich geblieben wie in der Vorjahresperiode. Als Begründung nennt Christoph Kilchenmann von Santésuisse gegenüber der Zeitung Nachholeffekte sowie die aufwendige Behandlung der hospitalisierten Corona-Patienten.

Privatpatienten blieben aus

Die Statistiken zu den einzelnen Monaten sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, da es immer eine gewisse Zeit dauert, bis die Rechnungen bei den Versicherern  eintreffen. Zudem sagen die Zahlen zur Grundversicherung wenig über die Privatpatienten aus. Es ist deshalb gut möglich, dass die aufgeschobenen oder ganz abgesagten Operationen von Zusatzversicherten negative finanzielle Auswirkungen auf die Spitäler haben werden. Die Spitäler selber rechnen weiterhin mit einem finanziellen Schaden von bis zu drei Milliarden Franken.

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

«Kein Mensch will Rationierungen»

Für Santésuisse-Präsident Martin Landolt würde die Kostenbremse-Initiative nicht zu Qualitätsverlust führen. Solange die Bundespolitik ihre Hausaufgaben macht.

image

LUKS Gruppe: «Optimierung aller Arbeitsprozesse»

Das Jahresergebnis des Zentralschweizer Spitalkonzerns lag 2023 über dem Branchenschnitt.

image

Regionalspital Surselva: Schneearmer Winter

Das Spital in Ilanz betreute im letzten Jahr weniger stationäre und ambulante Patienten. Dies trug zum Verlust bei.

image

USB: Rechtsstreit abgewendet, 300 Millionen bewilligt

Über ein Millionen-Darlehen ans Unispital war ein Streit zwischen dem Kanton und den Basler Privatspitälern entflammt.

image

Das Spital Uster kehrt in die Gewinnzone zurück

Eine Fusion mit dem angeschlagenen Nachbarspital Wetzikon stehe nun nicht mehr zur Diskussion.

image

«Die Spitäler sind selber schuld»

Santésuisse-Präsident Martin Landolt über defizitäre Spitäler, den Tardoc-Streit, ambulante Pauschalen und unnatürliche Kooperationen.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.