Tertianum will vielleicht Geimpfte und Ungeimpfte trennen

Alters- und Pflegeheime suchen nach neuen Besuchsregeln. Denn derzeit gibt es keine Neueintritte – vermutlich wegen der strengen Vorschriften.

, 24. Februar 2021 um 17:46
image
  • pflege
  • coronavirus
  • tertianum
11 freie Plätze im Pflegeheim Des Alpes in Merligen, 10 freie Plätze im Carpediem in Stettlen: Die Liste der Angebote der Alters- und Pflegeheime im Kanton Bern ist lang – mittlerweile sind 150 Plätze ausgeschrieben. Und sie wird immer länger. Denn nicht nur in Bern leeren sich die Alterseinrichtungen.

Kantone verordnen strikte Besuchsregeln

«Die ganze Branche spürt eine gewisse Zurückhaltung», heisst es bei der Tertianum-Gruppe. Wie viele freie Plätze es in den 82 Tertianum-Betrieben in der Schweiz gibt, will sie nicht sagen.
Verzichten ältere Menschen auf einen Heimeintritt, weil sie die strengen Besuchsbeschränkungen fürchten? Das kann man bei der Tertianum-Gruppe nicht beurteilen. Tatsache ist aber: Obwohl die Bewohner in vielen Heimen bereits die zweite Impfung erhalten haben, gelten immer noch strikte Besuchsregeln. Diese verordnen die Kantone.

Eine halbe Stunde unter ständiger Kontrolle

Sehr streng ist unter anderem Solothurn: Im Pflegezentrum Magnolienpark, zum Beispiel, darf nur nach Voranmeldung und unter ständiger Kontrolle in einer speziellen Begegnungszone besucht werden. Und zwar maximal zwei Personen während höchstens einer halben Stunde – selbstverständlich nur mit Maske.
In Bern sind die Vorgaben etwas weniger strikt: In den Domicil-Heimen müssen Besuche «möglichst kurzgehalten werden», und der «Personenkreis ist stark einzuschränken.» Während der ganzen Besuchszeit herrscht Maskenpflicht. Restaurants und Cafeterias sind für Besucher und Besucherinnen tabu.

Einsamkeit nimmt auch beim Sterben zu

Die Senevita-Heime bieten Besuche im sogenannten «Raum des Wiedersehens» an – mit Abstand und Maske. Solche Besuchseinschränkungen haben bittere Folgen: Sterbende haben nur wenig oder gar keinen Kontakt zu Angehörigen. Viele Besuche bleiben wegen der umständlichen Regelungen aus.
Die Tertianum-Gruppe zieht deshalb neue Massnahmen in Betracht, wie bereits der «K-Tipp» offen gelegt hat. Die Gruppe bestätigt gegenüber Medinside: Weil sich nicht alle Bewohner in den Heimen impfen lassen, möchten die Tertianum-Heime eventuell dazu übergehen, ungeimpfte und geimpfte Bewohner zu trennen. Ob und wann diese Trennung kommt, hänge von der weiteren Entwicklung des Virus ab. «Es könnte eine mögliche Massnahme sein, um die Ansteckungen einzudämmen», heisst es bei der Tertianum-Gruppe.

Offene und gesicherte Abteilungen

Auch eine andere Trennungsmöglichkeit prüft Tertianum: Nämlich die Aufteilung der Bewohner in solche, die ein höheres Ansteckungs-Risiko in Kauf nehmen und dafür mehr soziale Kontakte haben können, und in solche, die eine möglichst grosse Sicherheit wünschen und dafür wenig oder keinen Besuch empfangen können. In der Praxis wäre diese Aufteilung in offene und gesicherte Abteilungen nicht einfach umzusetzen, gibt eine Tertianum-Sprecherin allerdings zu bedenken.

Zumindest die Zahlen geben Entwarnung

Die neuste Statistik über die Sterbezahlen in der Schweiz zeigt nun sogar erstmals seit der zweiten Pandemie-Welle eine «Untersterblichkeit» bei den Über-65-Jährigen. Das heisst: Es sterben weniger ältere Menschen als in den letzten Jahren Ende Februar üblicherweise gestorben sind.

Die Sterblichkeitszahlen sinken unter die Norm

image
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Bern will seine Spitex neu organisieren

Derzeit gibt es im Kanton Bern 47 Spitex-Regionen. Diese Zahl soll nun deutlich sinken – am besten auf 18.

image

Patrick Hässig im Vorstand von Spitex Zürich

Zugleich schuf der Spitex Verband Kanton Zürich einen neuen Fachbeirat.

image

Weniger Bürokratie in der Pflege

Der Bundesrat sollte die Bürokratie in der Pflege abbauen. Er hält aber nichts davon.

image

Das Dahlia-Pflegeheim in Huttwil geht zu

Dahlia kürzt im Oberaargau ihr Pflegeangebot um 55 Plätze. Entlassungen sind aber nicht vorgesehen.

image

Zu Besuch bei Viktor-Gewinnerin Chantal Britt

Seit vier Jahren leidet die Präsidentin von Long-Covid-Schweiz unter postviralen Beschwerden. Was sie am meisten stört: Dass die Krankheit nicht ernsthaft erforscht wird.

image

Pflege heisst Action, Stories und Emotionen

Das Berner Bildungszentrum Pflege zeigt: Um Nachwuchs anzuwerben, muss man halt kräftig mit Klischees arbeiten.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.