«Telemedizin-Modelle verschärfen Triage-Problem»

Hausärzte der Notfallpraxis am Luzerner Kantonsspital sind ressourcenmässig am Limit. Dies hat Konsequenzen auf den Kooperationsvertrag.

, 14. Februar 2020 um 07:41
image
  • spital
  • luzerner kantonsspital
Die Luzerner Ärztegesellschaft hat den Vertrag für die Einsätze der Hausärzte in der Notfallpraxis im Luzerner Kantonsspital (Luks) per Ende Juli gekündigt. Unter den aktuellen Bedingungen sind sie nicht länger bereit, Einsatz in der Notfallpraxis zu leisten, wie die «Luzerner Zeitung» am Freitag berichtet.
Seit 12 Jahren behandelt das Luks in Kooperation mit den Hausärzten der Stadt Luzern und Umgebung Patienten: jährlich rund 25'000 Patienten. Die Praxis dient als Entlastung des regulären Notfallzentrums. Die Zahl der Patienten für die Erstversorgung hat sich seit Anfang 2008 mehr als verdoppelt.

Patientenlast ist das Problem

Die Ärzte seien deshalb ressourcenmässig am Limit. Es brauche ein neues Konzept, um die Versorgung sicherzustellen zu können, sagt Ueli Zihlmann der Zeitung. Viele Patienten seien keine Notfallpatienten, sondern kommen mit einem Schnupfen oder Kopfweh vorbei. Einfach, weil die Praxis offen sei, so der Geschäftsführer der Ärztegesellschaft. Und viele Menschen haben auch keinen Hausarzt mehr, vor allem Städter.
Gefordert wird seitens der Ärztegesellschaft nebst einer besseren Triage unter anderem auch mehr Mitspracherecht. Der Lohn ist laut Zihlmann ebenfalls immer wieder ein Thema. Das Luks bestätigt gegenüber der «Luzerner Zeitung», dass es aktuell Gespräche gebe über die Zusammenarbeit. Das Spital werde zur gegebener Zeit über die weitere Entwicklung informieren.

Telemediziner schicken Patienten lieber in den Notfall

Das Triage-Problem verschärft habe das Telemedizin-Modell vieler Krankenkassen, bei dem Versicherte zuerst eine Beratungsstelle anrufen, sagt Zihlmann der Zeitung weiter. «Im Zweifelsfall schicken jene Callcenter-Mitarbeiter einen Patienten direkt in den Notfall, und dies lieber einmal zu viel als zu wenig».
Solche Telmed-Angebote würden zudem die kostenpflichtige Notfallnummer der Luzerner Ärzte konkurrenzieren. Aufgrund der Triage durch Fachleute liessen sich von jährlich gut 23'000 Anrufen deren 3'500 Fälle klären, ohne dass eine Zuweisung an ein Spital oder Arzt erfolgt.

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Lindenhofgruppe: Mehr Umsatz, mehr Kosten

Auch die Berner Spitalgruppe berichtet von harten Verhandlungen mit den Krankenkassen.

image

Solothurner Spitäler: Der ehemalige CEO ist noch auf der Lohnliste

Martin Häusermann ist offiziell verabschiedet – formell aber noch da.

image

Auch das Spital Davos schrieb rot

Wie in vielen anderen Akutspitälern sank 2023 die Zahl der stationären Patienten leicht, während es bei den ambulanten Fällen einen Zuwachs gab.

image

Spitäler FMI: Guter Umsatz, kleiner Gewinn

Sechs Millionen Franken mehr als im Vorjahr setzten die Betriebe der Spitäler Frutigen, Meiringen, Interlaken um. Übrig bleibt aber nur ein kleiner Gewinn.

image

Spitalzentrum Biel spannt mit TCS zusammen

Das Spital Biel gründet für planbare Patiententransporte eine neue Firma: zusammen mit dem TCS.

image

Liquiditätsengpass beim Spital Davos

Weil es eilte, hat die Gemeinde Davos 1,5 Millionen Franken noch vor der Genehmigung an ihr Spital überwiesen.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.