Sorgen um die Hausarztversorgung im Kanton Obwalden

Die aktuelle Hausarztsituation im Kanton Obwalden wirft Fragen auf. Zur Diskussion steht jetzt ein Pilotprojekt mit Pflegeexperten in der Hausarztpraxis.

, 26. Juli 2022, 09:11
image
  • ärzte
  • kanton obwalden
Auch im Kanton Obwalden steht es mit der hausärztlichen Versorgungslage derzeit nicht zum Besten. Schliessungen – wie etwa jüngst für Sarnen angekündigt – und Nachfolgeprobleme führen dazu, dass immer mehr Menschen keinen Hausarzt haben und auch bei nicht lebensbedrohlichen Fällen direkt ins Spital gehen. Dies ist nicht sinnvoll und die Notaufnahmen und Permanences sind mit zusätzlichem Patientenandrang konfrontiert, wie sich aktuell zeigt. 
Die Politikerin Helen Keiser-Fürrer von der CSP Obwalden sorgt sich um die Hausarztversorgung im Kanton und stellt dem Regierungsrat nun Fragen. Die Kantonsrätin und Juristin will unter anderem wissen, wie er die Versorgungslage der Bevölkerung mit Hausärztinnen oder Kinderärzten beurteile. Zudem soll aufgezeigt werden, wie sich die Situation in der Vergangenheit verändert habe und in der Zukunft verändern werde.

Der Kanton Uri als Vorbild

Helen Keiser-Fürrer bringt auch ein Modell ins Spiel, das für eine Entschärfung der Situation führen könnte: «Interprofessionelle Arbeitsteilung zwischen Hausarzt/Hausärztin und Nurse Practitioner». Dieses Modell sieht den Einsatz einer Pflegeexpertin in einer Hausarztpraxis vor. Eine Pflegeexpertin («Nurse Practitioner»: Pflegefachfrau mit Master Abschluss)  unterstützt die ärztlichen Tätigkeiten in einer Hausarztpraxis.
Verwiesen wird auf den Kanton Uri. Unter der Federführung des Instituts für Hausarztmedizin und Community Care Luzern (IHAM & CC) hat man gemäss der Urner Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion «sehr gute Erfahrungen» gemacht, steht in der Interpellation zu lesen. 
Es habe sich zudem gezeigt, dass beim Einsatz einer Pflegeexpertin in der Hausarztpraxis die Akzeptanz bei Patienten als auch bei Angehörigen sehr hoch sei. Die Pflegeexpertin könnte sich insbesondere auf ältere Patientinnen und Patienten mit mehreren Krankheiten sowie auf Hausbesuche fokussieren, heisst es weiter. 

Bund und Kanton stehen in der Pflicht

Im Vorstoss wird gleichzeitig daran erinnert, dass Bund und Kantone verpflichtet seien, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für eine ausreichende, allen zugängliche medizinische Grundversorgung von hoher Qualität zu sorgen. Ein wesentlicher Bestandteil sei dabei die Anerkennung und die Förderung der Hausarztmedizin.
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Not im Notfallzentrum: Jetzt wollen Zuger Hausärzte helfen

Das Zuger Notfallzentrum ist an seiner Belastungsgrenze. Nach einem Aufruf der Ärztegesellschaft wollen rund 20 Arztpraxen unter die Arme greifen.

image

Blutvergiftung: Experten geben nationalen Aktionsplan bekannt

Just zum Welt-Sepsis-Tag von heute Dienstag lanciert ein Schweizer Experten-Gremium einen Aktionsplan, der die Behandlung von Menschen mit Sepsis verbessern soll.

image

Synlab – offene Türen zwischen Forschung und Genetik

Synlab ist eines der führenden Labore im Bereich der genetischen Diagnostik. Die Leiterin Genetik Tessin, Dr. Giuditta Filippini, gilt als eine Pionierin in der Präimplantationsdiagnostik in der Schweiz.

image

Begrüssung per Handschlag: Fast zwei Drittel der Ärzte würden verzichten

Beim Händeschütteln sind ärztliche Fachpersonen und medizinische Praxisassistentinnen (MPA) zurückhaltender als ­ihre Patienten. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage aus dem Kanton Bern hervor.

image

Medizinischer Rat für Freunde? Besser nicht!

Oft stecken Ärzte oder Pflegefachleute im Zwiespalt: Verwandte oder Bekannte möchten medizinischen Rat. Medinside zeigt, wie man professionell damit umgeht.

image

Diese fünf Behandlungen in der Gynäkologie sind unnötig

Nun gibt es auch in der Gynäkologie eine Top-5-Liste der unnötigen, wenn nicht gar schädlichen Routinebehandlungen. Unter anderem bei Blasenentzündungen.

Vom gleichen Autor

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.

image

Ärzte greifen während Arbeit zu Alkohol und Drogen

Da die Belastung im Gesundheitswesen hoch ist, erscheinen offenbar Ärzte sogar betrunken oder high zur Arbeit. Dies zumindest geht aus einer Umfrage aus den USA hervor.

image

Ist Mikroplastik im Blut eine Gefahr für die Gesundheit?

Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss will wissen, welchen Einfluss Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat. Hier die offizielle Antwort des Bundesrates.