Smartes Schweizer Stethoskop soll Covid-19 erkennen

Ein mit Deep-Learning-Algorithmen ausgestattetes digitales Stethoskop soll Covid-19 an den Lungengeräuschen erkennen.

, 5. Januar 2021 um 08:06
image
  • coronavirus
  • ärzte
  • digital health
Ein Arzt aus Genf hat laut der «SonntagsZeitung» mit der Unterstützung der ETH Lausanne EPFL ein Gerät entwickelt, das Covid-19-Kranke an deren Atemgeräuschen erkennen soll. Dabei handelt es sich um ein Kästchen, das mit einem Minicomputer und einem Mikrofon ausgestattet ist. Letzteres dient der Aufnahme von Lungengeräuschen.
Entwickelt wurde es vom Infektiologen Alain Gervaix zusammen mit Forschenden der ETH Lausanne. Algorithmen, die mit Tausenden von Lungentönen verschiedener Patienten gefüttert wurden, sollen laut Bericht Covid-Erkrankungen bereits im Frühstadion erkennen. «In den Studien, die wir an mehreren Hundert Patienten durchgeführt haben, kann unser Stethoskop in 9 von 10 Fällen Covid positiv von Covid negativ unterscheiden», wird der Infektiologe von der «SonntagsZeitung» zitiert.
«Sie setzen das Gerät auf den Brustkorb des Patienten. Dessen Atmung wird über ein internes Mikrofon aufgezeichnet. Das Gerät zeichnet auf, analysiert und zeigt die Ergebnisse auf einem Smartphone oder Tablet an», erklärte Gervaix gegenüber «Swissinfo» die Funktionsweise.
Nun suche der Mediziner Investoren. Gervaix hofft, dass das Gerät im Frühjahr 2021 zertifiziert und in Serie produziert werden könne, schreibt die «SonntagsZeitung» weiter. Die Geräte könnten anschliessend für Massenscreenings eingesetzt werden oder gar in Haushalten Einsatz finden.
Marcel Tanner, Epidemiologe der Taskforce des Bundes, sieht die Selbstdiagnosen in Haushalten skeptisch. Diese seien für Laien heikel. Die Idee generell könnte aber Potenzial haben. «Mit künstlicher Intelligenz ist es möglich, bestimmte Muster in den Lungen und Herztönen zu erkennen, die charakteristisch sind für Covid-19-Patienten», so der ehemalige Direktor des Schweizerischen Tropeninstituts zur Zeitung.
Wie die EPFL mitteilte, sammelt Gervaix vom Genfer Universitätsspital HUG seit 2017 Lungengeräusche für sein intelligentes, digitales Stethoskop. Das Projekt diente demnach zunächst der besseren Diagnosen von Lungenentzündungen. Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie habe seine Arbeit in neue Bahnen gelenkt. Die Aufnahmen wurden verwendet, um den DeepBreath-Algorithmus an der EPFL zu entwickeln, welcher nun Bestandteil des Gerätes ist .
  • Dieser Beitrag ist zuerst auf dem Portal «Inside-IT» erschienen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Thierry Carrel: «Für Kranke ist Hoffnung zentral»

Der Herzchirurg findet, neben dem Skalpell sei die Hoffnung eines seiner wichtigsten Instrumente.

image

Vom Spital ins All: Auch eine Perspektive für Ärzte

Der Berner Mediziner Marco Sieber wird der zweite Schweizer Astronaut nach Claude Nicollier.

image

Ein Walliser wird Chefarzt am Inselspital

Der Nachfolger von Klaus Siebenrock als Chefarzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie heisst Moritz Tannast.

image

Zu Besuch bei Viktor-Gewinnerin Chantal Britt

Seit vier Jahren leidet die Präsidentin von Long-Covid-Schweiz unter postviralen Beschwerden. Was sie am meisten stört: Dass die Krankheit nicht ernsthaft erforscht wird.

image

In der Schweiz sind 1100 Ärzte mehr tätig

Die Arztzahlen in der Schweiz haben ein neues Rekord-Niveau erreicht: Es gibt nun 41'100 Berufstätige.

image

Der Erfinder des Ledermann-Implantats ist tot

Er war ein bekannter Implantologe, später auch Hotelier und Schriftsteller. Nun ist Philippe Daniel Ledermann 80-jährig gestorben.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.