Siehe da: Wer glaubt, er sei fit, lebt tatsächlich länger

Neue Daten erhärten, wie wichtig die Einstellung zum eigenen Körper für die Gesundheit ist. Wer sich für zu passiv hält, stirbt eher – unabhängig davon, wie es um die Fitness wirklich steht.

, 16. August 2017, 07:23
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Alle kennen den Placebo-Effekt. Aber dass unser Glaube an unsere Fitness ganz grundsätzlich über Leben und Tod entscheidet – dies ist doch eher überraschend. Zwei Psychologinnen der Stanford University, Olivia Zahrt und Alia Crum, kamen jetzt aber genau zu dieser Einsicht: Wer sich für überdurchschnittlich fit hält, lebt auch länger als der Durchschnitt.
Und wer meint, er sei «a lot less active» als andere, stirbt auch früher. Zumindest in einer statistischen Betrachtung.


Zahrt und Crum nahmen für ihre Untersuchung die Daten von insgesamt 61’100 Erwachsenen, zusammengefasst aus mehreren Gesundheits-Erhebungen seit den 1990er-Jahren; dabei waren jeweils diverse Health-Daten erhoben worden, etwa BMI, Tabakkonsum, chronische Krankheiten – aber eben auch die persönliche Einschätzung der eigenen Gesundheit. Diese Daten wiederum wurden glichen die kalifornischen Psychologinnen mit Sterbe- bzw. Todesdaten aus dem Jahr 2011 ab.
Die Mortalität wurde dann mit diversen Faktoren – die ebenfalls erhoben worden waren – in Einklang gebracht; so Zivilstand, Umgebung (Stadt/Land), Beruf… Doch egal wie: Wenn immer die Befragten dachten, dass sie «viel weniger aktiv» sind als andere Personen ihres Alters, war auch die Mortalitätsrate in der Langfrist-Perspektive höher. Im Schnitt war das Risiko um 18 Prozent höher als der Durchschnitt der Bevölkerung.


Definitiv gross – beziehungsweise signifikant – wurde der Graben im Vergleich zu jenen Personen, die angaben, sie seien «more active» als der Durchschnitt: Hier lag die Mortalität um 71 Prozent höher. Und dies, nachdem die reale Kondition der Befragten auf beiden Seiten berücksichtigt beziehungsweise weg-kalkuliert worden war.
Es stellt sich die Frage, was wir im Alltag daraus machen und was sich für Prävention und Gesundheitswesen daraus lernen lässt.
Auch Zahrt und Crum sehen hier zwar einfach mal eine Bestätigung des Placebo-Effekts. Aber sie wagen noch zwei weitere Deutungen: 

  • Selbstbild: Zum einen könnte der Glaube, dass wir aktiv sind, auch eine gewisse höhere Aktivität fördern.
  • Selbstzweifel: Zum anderen könnten sich Zweifel an sich selbst negativ auswirken. Wer denkt, er sei weniger fit als die Umgebung, fühlt sich auch eher unter Druck, gestresst, vielleicht sogar deprimiert deswegen. Und dies wiederum sind bekanntlich Faktoren, die sich eher negativ auf die allgemeine Gesundheit auswirken.

Sie sind fit! Also sind Sie fit.

Alia Crum hatte bereits vor zehn Jahren an einer Feldforschung mitgearbeitet, welche die Macht der Selbstsuggestion andeutete. In der kleinen Studie wurden 84 Angestellte in der Reinigung und Zimmerbetreuung eines Hotels beobachtet; es handelte sich dabei also um eine recht aktive Tätigkeit. Die Hälfte der Testpersonen wurde nun darüber informiert, dass bereits ihre berufliche Tätigkeit eine gute Grundlage für körperliche Fitness ist. Die andere Hälfte erhielt Ratschläge zum Thema Aktivität, Sport und Fitness-Übungen.


Bei der Beobachtung nach vier Wochen fiel die erstere Gruppe auf: Obwohl sie die Forscher bloss darüber informiert hatten, dass sie eine aktive Arbeit ausübten, hatten diese Teilnehmer bei der Bestandesaufnahme weniger Gewicht, bessere Blutdruckwerte, weniger Körperfett und einen tieferen BMI als die andere Gruppe.
«Es wird so viel aufgewendet, um die Menschen zu Verhaltensänderungen zu bewegen – insbesondere in der allgemeinen Prävention: Esst gesünder, macht mehr Sport, stresst Euch weniger», sagt Alia Crum. «Aber eine wichtige Variable wird bei dieser Rechnung ausgelassen: Nämlich die Einstellung der Menschen zu diesen gesunden Verhaltensweisen.»
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