Schwulenfeindlicher Arzt als Chefredaktor abgesetzt

Das amerikanische Fachmagazin «Circulation Research» hat sich von seinem Editor in Chief getrennt. Grund sind homophobe Äusserungen von Roberto Bolli.

, 11. Juni 2019 um 10:08
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Roberto Bolli | Universität Louisville
Roberto Bolli ist Professor für Medizin an der School of Medicine der Universität Louisville. Bis vor kurzem war der Chefarzt für Herz-Kreislauf-Medizin gleichzeitig Chefredaktor und Herausgeber des Fachmagazins «Circulation Research» der American Heart Association (AHA).
Nun wurde ihm eine schwulenfeindliche E-Mail, die er verfasst hatte, zum Verhängnis. Der Blog «Arts Writing Is Dead» hat als erstes darüber berichtet. Auslöser war ein Werbeflyer zu einer Balletvorstellung. Dieser zeigte zwei Männer, die sich an den Händen hielten, während sie Ballettstrumpfhosen trugen.

Sein Haus sei beschmutzt

Das Louisville Ballet solle aufhören, ihm solchen Dreck in sein Haus zu schicken, schrieb er in einer E-Mail, die den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Er möchte nicht, dass sein Haus von diesem «Abwasser» beschmutzt werde. Louisville Ballet fördere Sodomie und Homosexualität, so Bolli weiter.
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Quelle: Blog artswritingisdead
Die AHA entschied sich, Roberto Bolli als Chief in Editor abzusetzen, wie das Health-Care-Portal Medscape berichtete. Sein auf dem Glauben basierender «Hate Speech» sei inakzeptabel. Die American Heart Association verfolge eine Null-Toleranz-Politik in Bezug auf persönliches Verhalten, das im Widerspruch zu deren Leitwerten stehe.

Bollis abschliessende Botschaft

Bolli verteidigte sich, dass seine persönlichen religiösen Ansichten über Homosexualität nichts mit seiner Behandlung von schwulen Patienten zu tun habe. Er behandle alle Patienten, einschliesslich schwuler Patienten, mit grösstmöglichem Mitgefühl und Respekt.
Seinen letzten Beitrag für das Fachmagazin als Chefarzt nutzt Bolli unter anderem dazu, seinen Kollegen das Gebet und die Möglichkeit der Existenz Gottes näher zu bringen. So schreibt er, er bete dafür, dass «wir erkennen, dass Biologie letztendlich Theologie ist.»
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