Schon ab nächstem Jahr zum Medizinstudium nach Luzern

Jetzt hat auch die Universität Luzern ihre Pläne für einen «Medical Master» konkretisiert. Die Ausbildung soll über weite Strecken in den Kliniken der Region erfolgen.

, 8. Mai 2016 um 21:22
image
  • ausbildung
  • luzerner kantonsspital
  • numerus clausus
Mehr Ärzte, also mehr Medizinstudenten, also mehr Geld – das 100-Millionen-Anschubpaket des Bundesrates zeigt Wirkung. Auch die Universität Luzern will bald eine Masterausbildung in Humanmedizin einführen; Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) bestätigte jetzt einen konkreten Zeitplan gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung». Dies nachdem der Kanton St. Gallen vor wenigen Tagen ebenfalls bekanntgab, an seiner Universität ein Medizinstudium anbieten zu wollen.
Dabei möchten die Luzern gar ein höheres Tempo vorlegen als die Ostschweizer: Womöglich könnten ihre ersten Medizinstudenten die Ausbildung schon im Herbstsemester 2017/18 beginnen; in St. Gallen ist der Start nach jetziger Planung ab 2020 vorgesehen.

Auch hier: eine Partnerschaft mit Zürich

Interessant dabei: Wie in St. Gallen, so möchte auch Luzern eine Medizin-Kooperation mit der Universität Zürich. Und wie in der Ostschweiz, so soll auch in der Zentralschweiz mit 40 Studienplätzen pro Jahr gestartet werden. Die erfolgreichen Absolventen würden dereinst einen gemeinsamen Mastertitel der Universitäten von Luzern und Zürich («Joint Degree») erhalten.
Nach ursprünglichen Plänen sollten rund 200 Studenten in Luzern das dreijährige Masterstudium in Medizin absolvieren. Durch die Senkung der Zahl sollen die jährlichen Kosten auf etwa 2 Millionen Franken reduziert werden. Geplant – aber noch nicht bestätigt – ist laut Informationen der NLZ zudem, dass die Studenten bereits einen Teil der Bachelorausbildung in Luzern absolvieren können.

Zum Thema: «Zauberwort Medical Master»

Die Studenten sollen die meiste Zeit ihrer Masterausbildung in den Kliniken verbringen. Es sei deshalb auch nicht nötig, das Universitätsgebäude auszubauen, wie Regierungsrat Wyss erklärt – weshalb auch ein recht hohes Tempo bei der Einführung eingeschlagen werden kann.
Noch müssen die Regierungen der beiden Kantone der Sache formell zustimmen. Ende April reichten die Unis Luzern und Zürich ihr Kooperationsprojekt bei der Hochschulkonferenz ein. Bis im September prüft nun deren Ausschuss Hochschulmedizin alle Gesuche für zusätzliche Medizin-Studienplätze. Bis Ende Jahr soll die parlamentarische Beratung in Bern abgeschlossen sein. Im Januar 2017 entscheidet dann der Hochschulrat, wie die Bundesmillionen verteilt werden.

Breites Angebot der Spitäler

Denn mit dem Projekt «Medical Master» bewerben sich die Universitäten von Luzern und Zürich ebenfalls um einen Teil jener 100 Millionen Franken, die bis 2020 für die Schaffung neuer medizinischer Ausbildungsplätze investiert werden sollen.
«Ich bin sehr froh über das geplante neue Angebot», kommentiert der Präsident der Luzerner Ärztegesellschaft, Aldo Kramis, das Projekt in der NLZ: «Die Spitäler in Luzern und in der Innerschweiz verfügen über ein breites Angebot im Bereich der Medizin. Zudem gibt es viele Ärzte, die ideale Voraussetzungen besitzen, ihr klinisches Wissen weiterzugeben.» Auch ermögliche dies, dass sich die Kantonsspitäler – ergänzend zu den Unispitälern – noch aktiver an der Ausbildung beteiligen. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Pflege-Ausbildung: Zahlen wieder auf Vor-Corona-Niveau

Die Ausbildungszahlen bei den Gesundheitsberufen zeigten im vergangenen Jahr unterschiedliche Trends. Dies geht aus den neuesten Daten hervor.

image

Wo angehende Ärzte am liebsten arbeiten möchten

Das diesjährige Studierenden-Ranking von Universum zeigt wiederum die attraktivsten Arbeitgeber in der Medizin- und Gesundheitsbranche in der Schweiz.

image

Baselbiet will Geld wegen höherer Spitaltarife

Die interkantonale Weiterbildungs-Finanzierungsvereinbarung für Ärztinnen und Ärzte sorgt für Diskussionen zwischen den beiden Basel.

image

Warum Medizinstudierende im Studium ihre Empathie verlieren

Im Laufe eines Studiums nimmt offenbar das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten ab. Dies zeigt eine neue Studie.

image

Mediziner übernimmt Führung der Universität Luzern

Giatgen A. Spinas soll die Universität Luzern durch seine Expertise und Erfahrung in Gesundheitswissenschaften und Medizin weiter voranbringen.

image

Patientenschutz kritisiert Luzerner Kantonsspital

Die Patientenstelle Zentralschweiz fordert nach einem Vorfall eine bessere Kommunikation im Zusammenhang mit Diagnosen per App.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.