Santésuisse: Gesundheitskosten steigen weiter

Die Physiotherapie verursacht einen veritablen Kostenschub.

, 26. September 2017, 12:05
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2016 sind die Kosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) um 3,8 Prozent pro versicherte Person gestiegen. Diese und weitere Zahlen veröffentlichte der Krankenversicherungsverband Santésuisse heute, zwei Tage vor Bekanntgabe der Krankenkassenprämien 2018. 
Der Anstieg entspricht der langjährigen Entwicklung, die im Streubereich zwischen 3 und 5 Prozent liegt. Der Zuwachs in den einzelnen Kostenblöcken fällt allerdings unterschiedlich aus.

Sattes Plus bei ambulanten Spitalbehandlungen 

Von den grössten Kostenblöcken verzeichneten die ambulanten Spitalbehandlungen mit einem Plus von 8,0 pro Person den grössten Zuwachs. Die Kosten der von den Ärzten mit eigener Praxis erbrachten ambulanten Leistungen stiegen um 3,5 Prozent. 
Die Kosten für stationäre Spitalaufenthalte gingen um 1,4 Prozent zurück. Der Rückgang wird darauf zurückgeführt, dass die Kantone ihren Finanzierungsanteil auf 55 Prozent erhöhen mussten. 
Bei den von den Apotheken und Ärzten mit eigener Praxis abgegebenen Medikamenten stiegen die Kosten um 4,6 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass laufend ältere Medikamente durch teurere neue ersetzt werden. Ausserdem hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) keine Preissenkungen vorgenommen. 

Kostenschub in der Physiotherapie 

Überdurchschnittlich sind die Kosten in kleineren Blöcken gestiegen: 
  • Physiotherapie +10,2 Prozent
  • Spitex +8,4 Prozent
  • Labor +6,3 Prozent.
Diese Bereiche machen zwar nur 2,6 Milliarden der gesamten Kosten von 31,7 Milliarden Franken aus, aber ihr Anteil hat in den letzten Jahren überproportional zugenommen. 
Besonderes Augenmerk legt Santésuisse auf die Physiotherapie: Zwischen 2012 und 2016 sind die Kosten der Physiotherapie um 53 Prozent auf 944 Millionen Franken gestiegen. Gründe sind neben dem Mengenwachstum die Tatsache, dass Verordnungen zunehmend voll ausgeschöpft werden. Santésuisse regt an, die Ergebnisqualität zu messen und die Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit von Physiotherapien zu prüfen. 

Weiter steigende Kosten

Santésuisse erwartet auch künftig weiter steigende Gesundheitskosten, daran ändere auch der Tarifeingriff des Bundesrats nichts. Die Regierung verspricht sich vom Tarmed-Eingriff Einsparungen von 470 Millionen Franken oder 1,5 Prämienprozente pro Person. Santésuisse-Direktorin Verena Nold ist hingegen überzeugt, die Ärzte und Spitäler würden einmal mehr die Tarifkürzungen mit Mengenausweitungen über andere Abrechungspositionen kompensieren. 

Die Kosten im 5-Jahres-Vergleich

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Kostenentwicklung nach Leistungsbereich 2012-2016 (Quelle: Santésuisse)
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