800 Euro für zurückgelassene Teile nach OP

Statt 25'000 Euro Schmerzensgeld erhielt ein Mann in Deutschland 800 Euro für vergessene Metallteile nach einer Operation. «Kein Kausalzusammenhang», urteilen die Richter.

, 19. Juni 2017, 09:03
image
  • spital
  • ärzte
  • operation
  • kunstfehler
Nach mehreren Rückenoperationen im Zeitraum zwischen 2001 und 2005 litt ein Patient in Deutschland nach wie vor unter erheblichen Schmerzen und Taubheitsgefühlen. Der Mann klagte in der Folge den behandelnden Arzt an. 
Tatsächlich fanden sich zurückgelassene Metallteile mit der Grösse von mehreren Millimetern im Körper – vermutlich von einer abgebrochenen Nadel oder von anderen Operationsinstrumenten. Dies zeigte ein Gutachten, wie aus dem veröffentlichten Fall auf der Plattform «Rechtsdepesche» hervorgeht. 

«Aufgabe des Pflegepersonals»

Ausserdem beanstandete der Kläger eine mangelhafte Dokumentation der Operation. Der beklagte Chirurg behauptete hingegen, alle Instrumente gezählt zu haben. Dabei wäre dies ohnehin Aufgabe des Pflegepersonals, argumentierte er weiter.
Nun musste sich ein Gericht mit dem Fall befassen: Die fehlende Dokumentation werten die Gutachter als Verstoss gegen chirurgische Grundprinzipien. Sowohl Anordnung und Überprüfung der Zählkontrolle liege beim leitenden Arzt.

«Kein grober Behandlungsfehler»

Doch den Gutachtern zufolge handelt es sich hier lediglich um einen einfachen, nicht aber um einen groben Behandlungsfehler. Das zuständige Gericht hielt ein Schmerzensgeld von 800 Euro für angemessen. Der Mann hatte 25’000 Euro verlangt.
Die Schmerzen des Patienten sowie eventuell zukünftige Beschwerden könnten nicht kausal mit den Metallteilen zusammenhängen, urteilten die Richter weiter.

Plus 28,10 Euro für Kopierkosten

Auf die Berufung des Klägers hin kam ihm eine höhere Instanz noch einen Tick entgegen: Der Arzt müsse dem Kläger zusätzlich 28,10 Euro zuzüglich Zinsen bezahlen. Diese Kosten seien auf Grund der Kopien der Behandlungsdokumente entstanden.
  • Urteil Landgericht Bochum 6 O 207/08
  • Urteil Oberlandesgericht Hamm 26 U 82/09
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Service on Demand im Gesundheitswesen: einfach cool.

Service on Demand ist einfach, flexibel und innovativ. Anders gesagt, eine Dienstleistung, die nur nach Bedarf zum Einsatz kommt und einen Auftrag digital der richtigen Stelle meldet.

image

Bildungsstation am Kantonsspital Aarau

Das Kantonsspital Aarau bildet derzeit über 350 Lernende und Studierende im Bereich Pflege und medizinische therapeutische Therapieberufe aus. Ihnen ein attraktives Arbeits- und Ausbildungsumfeld zu bieten ist das oberste Ziel. Dazu geht das KSA innovative Wege.

image

Bern und Tessin spannen bei der Humanmedizin zusammen

Ab 2023 können Tessiner Studierende in Bern einen Bachelorabschluss in Humanmedizin absolvieren.

image

Neuer Chefarzt für die Rehaklinik Zihlschlacht

Karsten Krakow übernimmt die Funktion des Chefarztes für Neurologische Rehabilitation und Frührehabilitation bei der Vamed-Rehaklinik Zihlschlacht.

image

Medbase übernimmt eine weitere Arztpraxis

Die Migros-Tochter kauft das medizinische Zentrum Mediteam Gampelen. Das Team besteht aus rund 30 Gesundheits-Fachpersonen.

image

Hier könnte bald ein neues Spital stehen

Die Lindenhofgruppe prüft auf dem Berner Springgarten-Areal die Realisierung eines möglichen neuen Spitalstandorts.

Vom gleichen Autor

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.

image

Ärzte greifen während Arbeit zu Alkohol und Drogen

Da die Belastung im Gesundheitswesen hoch ist, erscheinen offenbar Ärzte sogar betrunken oder high zur Arbeit. Dies zumindest geht aus einer Umfrage aus den USA hervor.

image

Ist Mikroplastik im Blut eine Gefahr für die Gesundheit?

Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss will wissen, welchen Einfluss Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat. Hier die offizielle Antwort des Bundesrates.