Österreich überflügelt die Schweizer Impfquote

Österreich hatte bisher ähnlich wenig Geimpfte wie die Schweiz. Das ändert sich jetzt mit der 2-G-Regel. Plötzlich lassen sich Zehntausende pro Tag impfen.

, 17. November 2021, 11:18
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Österreich, Deutschland und die Schweiz: Diese drei Länder haben die tiefste Impfquote Europas. Das könnte sich nun ändern. Denn in Österreich wird derzeit geimpft, was das Zeug hält. Für viele bisher Ungeimpfte ist das verhängte Ausgehverbot ein Grund, sich nun doch impfen zu lassen.

Schweizer waren «immun» gegen Impfkampagne

Anders in der Schweiz: Die Impfkampagne, die den Bund bisher 27 Millionen Franken gekostet hat, zeigt wenig Wirkung. In der Impfwoche liessen sich etwa 15 000 Personen mehr impfen, wie Michael Beer, Leiter der Impfoffensive, sagte. Das heisst: Diese zusätzlichen Impfungen kosteten die Schweiz 1800 Franken – pro Stück.
Warum eigentlich sind ausgerechnet die deutschsprachigen Länder Europas die stärksten Impfgegner? Deren Impfquote liegt unter 80 Prozent. Die impffreudigsten Länder sind – in dieser Reihenfolge – Portugal, Island, Irland, Spanien, Frankreich und Norwegen. In diesen Ländern sind über 90 Prozent geimpft.

Sind alternative 68-er der Grund?

Der Soziologe Oliver Nachtwey von der Universität Basel forscht zu den Corona-Protesten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In der österreichischen Zeitung «Standard» erklärt er, dass sich in diesen Ländern als Folge der 1968er-Bewegung Alternativmilieus gebildet hätten.
Nachtwey stellt in diesen Milieus Esoterik und Spiritualismus fest. Die Kinder würden häufig in die anthroposophischen Rudolf-Steiner-Schulen geschickt. Es gehe in diesen Strömungen vor allem um Ganzheitlichkeit, Selbstverwirklichung und Körpersouveränität. «Das Impfen wird als autoritärer Eingriff des Staates wahrgenommen», sagt Nachtwey. Im Grunde gehe es aber um radikalen Individualismus, stellt der Soziologe klar. Impfen als solidarischer Akt werde nicht wahrgenommen.

Impfgegner ist an Covid-19 erkrankt

Zum Meinungsumschwung in Österreich könnte auch das Schicksal des FPÖ-Chefs Herbert Kickl beigetragen haben. Kickl ist Impfgegner und wehrt sich scharf gegen die Corona-Massnahmen der Bundesregierung. Nun ist er positiv auf das Coronavirus getestet worden und wird medizinisch behandelt. Bisher habe er einen milden Verlauf, hat er gemeldet.

Das sind die aktuellen Impfzahlen

Die Impfzahlen in Österreich haben sich im Vergleich zum Oktober etwa versechsfacht. Allein am letzten Samstag ließen sich in Österreich 32’000 Menschen impfen, nachdem die Nachfrage wochenlang bei rund 5000 Stichen stagniert hatte.
Zum Vergleich: In der Schweiz – mit ähnlich grosser Bevölkerungszahl – liessen sich letzte Woche trotz Impfoffensive am besten Tag knapp 22'000 Personen impfen. Vorgestern und gestern haben die Zahlen nun aber leicht angezogen: Es wurden über 36'000 Impfungen verabreicht, so viele wie seit Ende September nicht mehr. Allerdings dürfte es sich bei diesen Impfungen zu einem beträchtlichen Teil um Booster-Impfungen handeln.
In der Schweiz sind derzeit 65 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft. Das entspricht 74 Prozent der Bevölkerung über zwölf Jahren.
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