Numerus Clausus: FMH für neues Zulassungsverfahren

Doch die Ärzte warnen davor, dass die Kandidaten fürs Medizinstudium in ein Praktikum geschickt werden – das sei eher unpraktikabel.

, 24. November 2017 um 15:17
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Manchmal bewegt sich etwas in der Frage, meistens wird nur geredet: Die jetzige Zulassung zum Medizinstudium gilt vielen als überholt, insbesondere als zu theoretisch. Auch viele Ärzte finden, dass es andere Tests braucht, um gute Medizinstudenten zu finden – nicht mehr die heutigen Numerus-Clausus-«Chrüzlitests».
In der nun beginnenden Wintersession wird die Frage zum Thema im Parlament. Denn voraussichtlich berät der Ständerat – als Zweitkammer – über eine Motion von Ruth Humbel (CVP).  Die Gesundheitspolitikerin aus dem Aargau verlangt, dass statt der bisherigen Tests ein Praktikum eingeführt wird, um die geeigneten Kandidaten zu erkennen.

Nicht nur Lippenbekenntnisse

Humbel geht es darum, dass auch Sozialkompetenzen berücksichtigt werden – und insgesamt verstärkt Fähigkeiten, welche man für die Hausarztmedizin braucht. «Die Förderung der Hausarztmedizin ist eine zentrale politische Forderung und darf nicht Lippenbekenntnis bleiben», erklärte sie. «Wenn es uns ernst ist mit dieser Forderung, dann müssen wir auch bei der Ausbildung, bei der Zulassung zum Studium günstige Voraussetzungen schaffen. Genau das macht der Numerus clausus in der heutigen Form nicht.»
Im Vorfeld der Beratung hat nun auch die FMH Stellung genommen. Der Dachverband der Ärzte äussert grundsätzlich Kritik am heutigen System – es müsse verbessert werden. «Der heutige Eignungstest greift zu kurz: Er prüft lediglich die kognitiven Fähigkeiten und trifft keine Aussagen über die später im Beruf wichtigen Fähigkeiten wie Sozialkompetenz und emotionale Intelligenz.»

Situational Judgment Tests

Aus praktischen Überlegungen wenden sich die Ärzte aber gegen Humbels Kernforderung: Praktika seien schon prüfenswert – aber würden der Branche wohl vor allem Probleme verschaffen, so der Tenor. Denn: Es wäre schwierig, die nötigen Plätze für alle Interessenten zu finden. Der Betreuungaufwand für die Spitäler und Heime wäre hoch. Und: «Eine gerechte vergleichbare Bewertung der Praktikantinnen und Praktikanten ist schwierig zu gewährleisten.»
Die FMH zöge es daher vor, wenn der heutige Test durch diverse andere Prüfungen ergänzt würde. So «könnten in einem zweistufigen Verfahren sogenannte Situational Judgement Tests, Multiple Mini-Interviews oder Praktika als sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Eignungstest eingeführt werden.»
Dann würde es interessant, so die FMH – aber in der jetzigen Form müsse man Humbels Anliegen zur Ablehnung empfehlen.

Die erste Hürde ist schon genommen

Im Nationalrat hatte die Motion eine überraschend grosse Unterstützung erfahren:  Mit 134 zu 40 Stimmen beschloss die grosse Kammer im Juni, dass der Bundesrat beauftragt werden soll, mit den Kantonen eine Alternative zu prüfen und – so der Text der Motion – «ein Praktikum als Ersatz oder in Ergänzung zu Tests der intellektuellen Fähigkeiten einzuführen».
Der Bundesrat hatte sich gegen eine Änderung ausgesprochen. Die hohe Studien-Erfolgsquote bestätige, dass die heutigen Tests präzise seien, argumentierte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann im Nationalrats-Saal. Und er warnte – ähnlich der FMH heute – mit Verweis auf die Praktikabilität: «Es müssten rund 3500 Praktikumsplätze pro Jahr sichergestellt werden. Die Studierenden müssten aufwendig betreut werden, und die Praktika müssten validiert werden.»
Der Aufwand stehe dabei in keinem Verhältnis zur Entlastung des Pflegepersonals durch solche Studien-Interessenten.

Abhalten kann der Test

Stimmt aber die kleine Kammer in der kommenden Session ebenfalls zu, so muss die Regierung aber tatsächlich solche Alternativen erarbeiten.
Der Bundesrat hatte selber schon erste Schritte unternommen, um den heutigen Test-Zustand ebenfalls zu hinterfragen. Im November 2015 beauftragte er die Hochschulkonferenz mit einer Neubewertung.
Diese wiederum liess die Frage vom Wissenschafts- und Innovationsrat SWIR überprüfen. Dieses Gremium wiederum befand, dass grundsätzlich nichts geändert werden solle: Der SWIR stellte sich hinter den Eignungstest in der jetzigen Form, weil es damit möglich sei, «akademisch schwache Kandidierende von der Aufnahme eines Studiums abzuhalten, welches sie wahrscheinlich nicht abschliessen würden.»
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