Nicht alle Risikopersonen konnten sich impfen lassen

Im Kanton Basel-Stadt gibt es besonders gefährdete Personen, die noch keinen Zugang zur Impfung gegen Covid-19 hatten – trotz Impfwilligkeit.

, 12. August 2021, 13:42
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Der Kanton Basel-Stadt impft primär im Impfzentrum in der Messe. In Pflegeheimen kamen ausserdem mobile Impfequipen zum Einsatz. Ab September können sich auch Hausarztpraxen und Apotheken am Impfprogramm mitbeteiligen. Eva Biland, eine Praxisärztin aus Riehen, stellt nun fest, dass es bislang nicht allen Menschen mit einem höheren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf möglich war, sich im Impfzentrum impfen zu lassen. Hauptsächlich aus Mobilitätsgründen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen, die noch zu Hause leben.
Die Hausärztin erwähnt auf der Nachrichtenplattform Twitter eine Liste, die mehr als 20 solche Patientinnen und Patienten umfasst. Auf Anfrage bestätigt sie die Zahl. Bei mehr als einem Dutzend Hausärzte in der Umgebung sei das schnell eine beachtliche Zahl an impfwilligen Menschen, ergänzt sie. Die Medizinerin befürchtet, dass bei einer weiteren Welle genau solche Risikopersonen zu einer Überlastung der Intensivstationen führen könnten.

Mobile Impfteams als mögliche Lösung

Die Hausärztin, die sich auch politisch engagiert, stört sich in ihrem Tweet ausserdem daran, dass Gesundheitsminister Alain Berset nun Immunkompetente mit kostenpflichtigen Tests massregeln wolle, statt vulnerable impfwillige Patienten rasch zu impfen. Das kratze an der Glaubwürdigkeit, schreibt die stellvertretende Leiterin eines Gesundheitszentrums. 
Ein effektiver Lösungsansatz wäre ihr zufolge auch hier mobile Impfteams einzusetzen. Diese könnten durch Zusammenarbeit mit der Spitex, der Hausärzteschaft und den Apotheken betrieben werden. Und auch Spitäler sollten Patientinnen und Patienten gleich bei einem allfälligen Aufenthalt an Ort und Stelle impfen können. Dies sei bislang aber nicht möglich.  

BAG verweist auf Kanton

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) teilt auf Anfrage mit, dass die Kantone zuständig für die Impfstrategie sind. Die vulnerablen Personen werden gemäss BAG seit Ende Dezember 2020 in allen Kantonen prioritär geimpft. Das Bundesamt verweist diesbezüglich auf den Kanton. 
Das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt hat keine Kenntnis einer solchen Liste, wie es auf Anfrage mitteilt. «Wir haben alle praktizierenden Ärztinnen und Ärzte mehrfach auf die Impfmöglichkeiten hingewiesen, ebenso wie bei Spezialfällen vorgegangen werden kann, um vulnerablen Personen eine Impfung zu ermöglichen».
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