«New York Times» kürt Schweizer Gesundheitssystem zum besten der Welt

Ein Expertenpanel befand in mehreren Vergleichs-Runden mit anderen Staaten: Geht es um die Qualität, so ist die Schweiz immer noch top.

, 20. September 2017, 05:49
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Welches ist das beste Gesundheitssystem der Welt? Die Einsicht, dass das eigene System wenig taugt, hat sich ja in den Vereinigten Staaten definitiv durchgesetzt. Also suchen die Amerikaner eifrig Vorbilder, und eine pfiffige Methode für diese Suche testete nun die «New York Times».
Die führende Zeitung der USA nahm fünf der renommiertesten Gesundheits-Experten und –Ökonomen im Land. Dann veranstaltete sie mit ihnen ein Turnier. Und zwar wurden jeweils die Gesundheitssysteme zweier Länder gegenübergestellt, mit der Frage: Welches erachten Sie als besser?

Schweiz : Deutschland: 3–2

Die Schweiz gehörte neben Kanada, Grossbritannien, Singapur, Deutschland, Frankreich, Australien und den USA zu den ausgewählten Teststaaten des Panels.
In der ersten Runde kam es quasi zum Derby: Schweiz gegen Deutschland. Denn beide Länder lassen sich das Gesundheitswesen mit etwa 11 Prozent des BIP ähnlich viel kosten. Hier siegte die Schweiz mit 3 zu 2 Stimmen.

«The Best Health Care System in the World: Which One Would You Pick?», in: «The New York Times», 18. September 2017.

Warum? Die medizinischen Resultate seien viel besser in der Schweiz, befand etwa Experte Aaron Carroll (Indiana School of Medicine); es bestehe ein guter Wettbewerb zwischen den Versicherern, urteilte Craig Garthwaite (Kellog School of Management). Und auch Ashish Jha (Harvard) betonte, dass die Schweiz den grossen Nachbarn in diversen Qualitäts-Masstäben übertrumpfe: Es gebe hier beispielsweise weniger unnötige Hospitalisationen und eine tiefere Mortalität wegen Herzinfarkten.

Schweiz : Grossbritannien: 3–2

In der nächsten Runde trat die Schweiz dann gegen Grossbritannien an – also das vollstaatliche NHS-System. Auch diesmal holte die Schweiz 3 von 5 Stimmen, also wieder den Sieg.
In dieser Runde war für alle Experten ein Punkt entscheidend: Dass der Zugang zum Gesundheitswesen hier offener ist – und dass die Wartezeiten in der Schweiz viel tiefer ausfallen. Die Kosten mögen in der Schweiz höher sein, aber der Unterschied in der Qualität sei dies wert, befand etwa der Pädiater und Public-Health-Professor Aaron Carroll.

Schweiz : Frankreich: 3–2

Im Final schliesslich kam es dann erneut zum Duell zweier Nachbarn: Switzerland vs. France. Das französische Gesundheitssystem sieht vor, dass jeder obligatorisch eine Krankenversicherung braucht; die Grundversicherungen sind als Stiftungen organisiert – also nicht gewinnorientiert –, und der Privatpolicen-Anteil ist relativ klein. Oder anders: Die Grundversicherung deckt in Frankreich deutlich mehr ab als in der Schweiz. Entsprechend ist der französische Gesundheitsbereich mit knapp 12 Prozent des BIP vergleichsweise gross.
In der Beurteilung setzten die Experten wieder im Verhältnis 3 zu 2 auf die Schweiz. Doch der Sieg fiel hier offenbar sehr knapp aus. Das französische System könne voll mithalten bei der Zugänglichkeit und bei den Wartezeiten; auch bei den Kosten beziehungsweise bei der Effizienz sind die Unterschiede minim, so die Meinung.
Den Ausschlag gab, dass auch hier die Experten die helvetische Gesundheitsversorgung als qualitativ einen Tick besser beurteilten.
Wie sehr hier einfach das Image der Schweizer Qualitätsarbeit hineinspielte, sei da mal offengelassen.
Und hier lassen sich noch die Diskussionen nachverfolgen, die sich dann in der «New York Times» ergaben – und die Fragen, die den Experten gestellt wurden:
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