Misstöne im Operationssaal

Musik im OP kann die Kommunikation im Team empfindlich stören. Ausserdem verlängert sie die Eingriffe. Dies zeigt eine neue Studie.

, 7. August 2015, 05:28
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Musik hielt Anfang des 20. Jahrhunderts Einzug in die Operationssäle, um Geräusche zu übertönen und die Patienten zu beruhigen. Das Verfahren wurde bekanntlich von der Narkose abgelöst. Heute dient die Musik der Unterhaltung des Operationsteams. In der Regel sind es die Chefchirurgen, die bestimmen, ob und welche Musik aus den Lautsprechern schallt. 
Während Musik generell eine entspannende Wirkung entfaltet, kann sie im Ope­ra­tions­saal die Kom­mu­ni­ka­tion stö­ren und Span­nun­gen im Team auslösen. Das zeig­t eine Studie des Imperial College London, die im «Jour­nal of Ad­vanced Nur­sing» publiziert wurde. Für die Untersuchung wurden 35 Stun­den Film­mate­rial von 20 Ope­ra­tio­nen in England ausgewertet, von denen 16 mit Musikbegleitung stattfanden. 

Musik verlängert Operation

Die Auswertung ergab, dass die Musik, vor allem wenn sie laut war, die Kommunikation im Operationsteam empfindlich stören konnte. Anfragen der Chirurgen mussten fünf Mal häufiger wiederholt werden als in den Operationen, in denen keine Musik gespielt wurde, berichtet Sharon-Marie Weldon, die Verfasserin der Studie: Jede Wiederholung verlängerte die Operation um 4 bis 68 Sekunden. Sie führten zu Frustrationen und Spannungen im Team, die die Forscher beobachten, aber nicht messen konnten. Es wird aber auch betont, dass Musik nicht als potenzielles Sicherheitsproblem betrachtet wird. 

Team soll Entscheid fällen

Ein demokratischer Entscheid fand in den Operationen, die Weldon filmen ließ, in der Regel nicht statt. Und den Assistenten und OP-Schwestern falle es sehr schwer, sich hier den Wünschen des Chefs zu widersetzen, berichtet der Erziehungswissenschaftler Terhi Korkiakangas, ein Mitverfasser der Studie. «Ob während einer Operation Musik laufen soll, welche Musik und in welcher Lautstärke sollte vom gesamten Team gefällt werden, unter Einbezug aller Vor- und Nachteile der Beschallung», empfehlen die Forscher. Besonderes Gewicht sollte die Meinung der Krankenschwestern haben. 
Gemäss der Studie ertönt in 53 bis 72 Prozent der Operationen Musik. Der Pegel übertreffe die Empfehlungen der World Health Organisation (WHO). 
Der britische Chirurgenverband Royal College of Surgeons sah sich zu einer Stellungnahme veranlasst. Dies sei eine sehr kleine Studie und es gebe keine Anzeichen dafür, dass störende laute Musik ein weit verbreitetes Problem in Krankenhäusern sei. Für Patienten gebe es keinen Grund zur Beunruhigung. 



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