Milliardenkosten, weil defekte Implantate ausgetauscht werden müssen

Ein Bericht des US-Gesundheitsministeriums beleuchtet einen unbeachteten Kosten- und Leidensblock: fehlerhafte Implantate. In den letzten Jahren verursachten sieben Herzgerät-Typen alleine Kosten von über 1,5 Milliarden.

, 12. Oktober 2017, 05:52
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150 Millionen Franken pro Jahr: Etwa so viel bezahlt die öffentliche Gesundheitsversicherung Medicare jedes Jahr für den Austausch von defekten Herz-Implantaten. Oder anders gesagt: Solche Geräte versagen jedes Jahr bei 7'000 bis 8'000 Patienten.
Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht des amerikanischen Gesundheitsministeriums. Insgesamt sieben Typen von Herzgeräten sorgten in den letzten Jahren für massenhaften Austauschbedarf.
Erwähnt sei, dass das Medicare-System nur etwa 15 Prozent der Amerikaner abdeckt – allerdings vor allem ältere und behinderte Menschen, also tendenziell öfter auch Patienten, die ein Implantat benötigen.


Der Bericht überprüfte solche Eingriffe im Zeitraum von 2005 bis 2014, also über zehn Jahre; und er kam zum Schluss, dass sich die Versicherungs-Kosten dafür auf 1,5 Milliarden Dollar summierten. Hinzu kamen weitere 140 Millionen, welche die Patienten selber auf die eine oder andere Weise beitragen mussten.

Ein kaum beachteter Kosten-Block

Insgesamt sieben Geräte von drei Herstellern hätten eine höhere Fehleranfälligkeit aufgewiesen, meldet der Generalinspekteur des Ministeriums weiter – ohne aber anzugeben, um welche Produkte beziehungsweise Marken es sich handelte.
In die Berechnungen einbezogen wurden jedenfalls nur Herzschrittmacher oder Defibrillatoren, die nachweisbar vorzeitig ausstiegen – oder die vom Hersteller in einer Rückruf-Aktion kassiert werden mussten.
Die Absicht hinter dem Report ist rasch greifbar: Der Inspector General will dafür sensibilisieren, dass neben den vielbeachteten Qualitäts-Masstäben in den Spitälern ein weiterer Problem-, Kosten- und schliesslich auch Spar-Block liegt, der bislang kaum beachtet wurde: nämlich die nachhaltige Qualität und die Überlebensdauer der verwendeten Geräte. Hier fordert der Bericht auch dazu auf, Massnahmen zu ergreifen. Zum Beispiel könnten Ärzte oder Spitäler verpflichtet werden, stets auch eine Meldung zu erstatten, wenn sie auf versagendende Implantate stossen.

«Tropfen im Eimer»

Dies wäre ein wichtiger Schritt, um frühzeitig grundlegende Schwächen zu erkennen und damit nicht nur die Patienten, sondern auch die Versicherungen zu schonen.
Die 1,5 Milliarden seien nämlich lediglich ein «Tropfen im Eimer» der gesamten Kosten, welche schlecht funktionierende Med-Tech-Geräte verursachen, sagte David Lamir, einer der Verfasser der Studie, gegenüber dem Fachmedium «Kaiser Health News»
Dies zumal feststellbar sei, dass die Zahl der Implantate-Rückrufe steigt: In Amerika verdoppelte sie sich von 2003 bis 2012 beinahe.
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