Mikrochirurgie: USZ führt erstmals Roboter-OP durch

Am Dienstag haben Spezialisten des Universitätsspitals Zürich eine der weltweit ersten mikrochirurgischen Operationen mittels eines Symani-Roboters durchgeführt.

, 5. August 2021, 11:09
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Es ist eine Premiere: Professorin Nicole Lindenblatt und ihr Team haben eine der weltweit ersten mikrochirurgischen Operationen mittels Roboter durchgeführt. Dabei hat der Symani-Roboter es den Chirurginnen ermöglicht, noch feinere Gefässe als bisher zu operieren.
Operationen an kleinen Blutgefässen, Nerven und Lymphsystem werden generell mittels Mikrochirurgie durchgeführt. Die Operateurinnen nähen dabei Strukturen mit einem Durchmesser von weniger als 0,8 Millimetern zusammen. Sie arbeiten mit ultrafeinen Nadeln und Fäden. Allerdings wurden diese Operationen bisher von Hand durchgeführt. 

Erste erfolgreiche OP

Am 13. Juli wurde der neue Operations-Roboter Symani am Universitätsspital Zürich (USZ) angeliefert. Nachdem Professorin Lindenblatt, Stellvertretende Direktorin der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, und ihr Team den Roboter eingehend getestet hatten, wurde am Dienstag, 3. August, die erste Patientin damit operiert. 
Der Patientin, die an einem chronischen Lymphödem leidet, wurden in einer fünfstündigen Operation feinste Verbindungen zwischen Lymphgefässen und Venen am Bein geschaffen und Lymphgewebe durch Anschluss an feine Gefässe transplantiert, teilt das USZ mit. Die Operation sei gut verlaufen. Die Patientin könne das Spital voraussichtlich morgen verlassen, heisst es in der Mitteilung.

Welche Vorteile hat der Roboter?

 «Von Hand operieren wir grundsätzlich genau gleich gut. Mit dem Roboter können wir aber in tiefere Lagen vordringen und noch feinere Gefässe operieren», erklärt Nicole Lindenblatt. Das könne beispielsweise die Operation des Milchbrustgangs weiter verbessern, oder Operationen von sehr kleinen Blutgefässen für weniger invasive Lappenplastiken ermöglichen. Patientinnen und Patienten würden davon profitieren, dass Operationen durchgeführt werden können, die bis jetzt noch nicht möglich gewesen seien. Für die Operateure bringe der Roboter zudem den Vorteil, dass das Operieren ergonomischer und bequemer sei.

«Schnell an den Roboter gewöhnt»

Und so funktioniert’s (siehe Fotos unten): Der Roboter wird gänzlich von der Chirurgin gesteuert. Sie sitzt auf einem Stuhl und hält zwei Pinzetten in der Hand. Die Bewegungen, die sie ausführt, werden auf die Mikroinstrumente übertragen. Auf einem Bildschirm wird mittels Kamera das Operationsgebiet bis zu 30-mal vergrössert dargestellt. Durch eine spezielle Brille, die die Operateure zusätzlich tragen, sehen sie das Bild in 3D.
Nicole Lindenblatt hat sich schnell an den Roboter gewöhnt: «Wir haben im Skills Lab an 0,5 Millimeter grossen Plastikgefässen geübt. Zu Beginn wusste ich nicht genau, wie viel Kraft ich auf die Instrumente ausüben soll. Die Herausforderung lag darin, dass ich nicht fühle, wie stark der Druck ist. Nach wenigen Tagen war es problemlos möglich die Gefässe präzis zu nähen.»

Symani-Roboter bisher drei Mal im Einsatz

Am USZ werden jährlich zwischen 200 und 250 Patientinnen und Patienten mikrochirurgisch operiert – bei Brustrekonstruktionen, Rekonstruktionen an Kopf, Hals und Extremitäten und in der Lymphchirurgie. Sie alle sollen laut USZ vom Operationsroboter profitieren können. 
Der Mikrochirurgie-Roboter Symani war bis heute weltweit erst dreimal im Einsatz: Am Universitätsspital Zürich, im Uniklinikum Salzburg und im Ospedaliero Universitaria Careggi (Florenz).

Bildergalerie:

Wechseln Sie die Bilder mit dem weissen Pfeil in der Mitte rechts.   
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Während der Operation sitzt Nicole Lindenblatt auf einem Stuhl und hält zwei Pinzetten in der Hand. Die Bewegungen, die sie ausführt, werden auf die Mikroinstrumente übertragen. (USZ)
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