Keine Auskunft mehr von «meineimpfungen»

«Meineimpfungen» wird liquidiert. Auskunftsbegehren könnten nicht mehr beantwortet werden, schreibt die Stiftung. Was passiert mit den Daten von rund 400'000 Nutzern?

, 25. August 2021, 09:11
image
  • meine impfungen
  • impfung
  • fmh
  • ärzte
Die Stiftung «meineimpfungen» steht erneut in der Kritik. Sie hat kein Geld mehr und kann die gleichnamige Plattform für elektronische Impfausweise nicht mehr betreiben. Bereits im März musste die Plattform wegen Sicherheitsproblemen vom Netz genommen werden.
«Die aktuell noch offenen Auskunfts- und Löschbegehren können leider nicht mehr beantwortet werden, was die Stiftung zutiefst bedauert», heisst es in der Stellungnahme. Wie das Portal «Inside IT» gestern in einem Artikel schrieb, wurden bis zum 19. August 2816 Auskünfte erteilt und 363 Benutzerkonten gelöscht. 500 Löschungen und 1200 Auskunftsbegehren waren noch ausstehend.

Was passiert mit den Daten? 

Gestern teilte die Stiftung mit, dass die Daten sicher aufbewahrt, aber nicht mehr bearbeitet würden. Dabei handelt es sich um rund 400’000 Datensätze, wie die Konsumenten-Radiosendung «Espresso» bekanntgab. Das heisst: Rund 400’000 Nutzerinnen und Nutzer kommen nicht mehr an ihre Impfdaten ran, die Impfbüchlein bleiben blockiert.
Werde keine Lösung gefunden, «werden die Daten auf absehbare Zeit – allenfalls dauerhaft – unzugänglich bleiben», schreibt die Stiftung.
Aus Sicht der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) wäre das inakzeptabel. SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder sagte gegenüber Radio SRF: «Das Bundesamt für Gesundheit und die Verbände FMH und Pharmasuisse, welche meineimpfungen.ch jahrelang finanziert, beworben und im Stiftungsrat mitgetragen haben, dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen.» Man werde rechtliche oder politische Schritte prüfen.
Die Sprecherin der Ärzteverbindung FMH, die in der Trägerschaft der Stiftung eine Vertretung hatte, sagte gegenüber Radio SRF: «Wir hoffen sehr, dass wir eine Lösung finden, damit die Nutzerinnen und Nutzer wieder Zugang zu ihren Daten kriegen.» Dazu müsste es gelingen, diese Daten auf eine neue, sichere Plattform zu übertragen. Wie und ob das funktionieren wird, ist noch gänzlich ungewiss.

Welche Optionen bleiben den Nutzern? 

Personen, die sich auf der Plattform registriert haben und nun Auskunft zu ihren eingefroreren Impfdaten benötigen, haben bestenfalls ihre Daten aufbewahrt und ihre Impfnachweise sind zusätzlich in der Dokumentation bei den Gesundheitsfachpersonen hinterlegt. Falls dies nicht der Fall sei, so die Stiftung, solle man mit den jeweils impfenden Ärzten oder Apotheken Kontakt aufnehmen. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Zulassung: Ausnahme soll für diese vier Bereiche gelten

Im Falle einer Unterversorgung könnten in der Schweiz bald Ausnahmen von der dreijährigen Tätigkeitspflicht gewährt werden.

image

Nun wollen Apotheken in die Bresche springen

Volle Notfallstationen und ein akuter Ärztemangel: das Schweizer Gesundheitswesen leidet. Jetzt wollen Apothekerinnen und Apotheker zur Entlastung beitragen.

image

Ärztlicher Direktor in Littenheid tritt schwieriges Erbe an

Keine einfache Aufgabe für den neuen Ärztlichen Direktor: Nach Satanismus-Vorwürfen steht die Klinik Littenheid unter genauer Beobachtung.

image

Vista weitet ihr Netzwerk ins Berner Oberland aus

Das Augenzentrum Thun gehört seit Montag zum Netzwerk der Vista Augenpraxen und Kliniken. Die Mitarbeitenden werden übernommen.

image

Arzt verweigert Maske in seiner Praxis – Gericht verordnet Geldstrafe

Ein coronaskeptischer Mediziner aus dem Kanton Luzern musste sich am Montag wegen wiederholten Verstössen gegen die Epidemiegesetzgebung vor Gericht verantworten.

image

Berner Arzt hat Aufklärungspflicht doch nicht verletzt

Im Fall einer Nasen-OP mit Komplikationen verneint das Bundesgericht eine Pflichtverletzung eines Berner HNO-Arztes. Die Vorinstanzen haben noch anders entschieden.

Vom gleichen Autor

image

«Ich brauchte nach der Pause mindestens drei Jahre»

Daniela Fürer arbeitete rund eineinhalb Jahre als Intensivpflegefachfrau, dann wurde sie Mutter und machte eine lange Pause – bis zum Wiedereinstieg.

image

Quereinstieg Pflege: Hunger auf beruflichen Neubeginn

Der Rucksack von Annette Gallmann und Peter Kienzle ist gefüllt mit allerhand Arbeits- und Lebenserfahrung. Die 47-jährige Gastronomin und der 52-jährige Art Director machen die Ausbildung HF Pflege.

image

Hat das Stethoskop auf Arztfotos seine Berechtigung?

Ärztinnen und Ärzte werden fast immer mit einem Stethoskop um den Hals abgelichtet. Braucht’s das? Und: Ist das medizinische Diagnoseinstrument überhaupt noch zeitgemäss?