Mehr Kaderärztinnen an Schweizer Spitälern

Die Schweizer Spitäler beschäftigen fast eine Viertelmillion Menschen. Darunter immer mehr Chefinnen. Und mehr männliche Pfleger.

, 12. Juni 2015, 12:32
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233’423 Personen: Dies weist das Bundesamt für Statistik als neuste Zahl fürs Spitalpersonal aus. Erfasst wurden die Daten fürs Jahr 2013, und gegenüber der vorherigen Erhebung von 2011 kam damit ein Stellenzuwachs von knapp 7 Prozent ans Licht. 
Etwa vier von zehn Menschen in den Spitälern arbeiten dabei in der Pflege, knapp ein Drittel ist administrativ oder technisch tätig, und 14 Prozent der Spitalangestellten sind Ärzte oder medizinisch-technisches Personal.
Quer durch die Branche ist dabei der Frauenanteil sehr hoch. Insgesamt machen die Frauen drei Viertel des Spitalpersonals aus. Beim Pflegepersonal sind 85 Prozent weiblich, beim medizinisch-therapeutischen Personal sowie beim den Beschäftigten im Sozialdienst sind es 81 Prozent, und bei der Ärzteschaft sind es 50 Prozent.

Zwei Drittel Vollzeit — ein Drittel Vollzeit

Wenig erstaunlich auch, dass die Frauen an der medizinischen Spitze dann aber dünner vertreten sind: Die Positionen der Leitenden Ärzte beziehungsweise der Chefärzte werden zu 70 bis 80 Prozent von Männern bekleidet.
Dazu trägt eine andere wohlbekannte Tatsache bei – nämlich dass die Ärztinnen eher Teilzeitstellen vorziehen. Während die männlichen Mediziner in den Schweizer Spitälern zu knapp zwei Dritteln 100-Prozent-Stellen bekleiden, ist der Full-Time-Anteil bei den Ärztinnen ziemlich genau halb so gross: Er beträgt 30 Prozent. 
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Allerdings zeigt die Entwicklung zumindest eine gewisse Angleichung auf. Denn bei den leitenden Ärzten stieg die Zahl der Männer zwischen 2010 und 2013 um knapp 24 Prozent – während die Zunahme bei den Frauen doch satte 47 Prozent erreichte.

Auch die Pfleger legen zu

Ähnliches geschah auf der Stufe Oberarzt: Hier kletterte die Zahl der männlichen Oberärzte um 6 Prozent – derweil jene der Oberärztinnen mit 24 Prozent klar steiler zulegte.
Interessanterweise  gab es beim Pflegepersonal eine gewisse Umkehrung: Hier, wo Frauen traditionell klar in der Überzahl sind, stieg der Männerbestand von 2010 bis 2013 um 12,5 Prozent – während die Zahl der Frauen nur um 5 Prozent zulegte. 

Weitere Tupfer aus der BfS-Spitalstatistik:


  • Spitalangestellte sind eher jung. Das Durchschnittsalter des Spitalpersonals liegt bei 38,9 Jahren. Die Hälfte der Männer ist jünger als 40 Jahre, die Hälfte der Frauen jünger als 37 Jahre.

  • Jeder vierte Arzt kommt aus Deutschland. Unter den 14’310 Ärztinnen und Ärzten an Schweizer Spitälern sind 65 Prozent schweizerischer und 23 Prozent deutscher Nationalität. 10 Prozent sind Staatsangehörige eines anderen EU-Landes. Etwa jeder Zehnte der deutschen Ärztinnen und Ärzte verfügt über ein Schweizer Diplom in Humanmedizin.
  • Swissness in der Romandie. Am höchsten ist der Anteil der Schweizer Ärzte in der Genferseeregion (71 Prozent). Am anderen Ende der Skala liegt die Ostschweiz, wo der Anteil der Schweizer an der Spital-Ärzteschaft 53 Prozent ausmacht. Hier erreichen die Deutschen mit 38 Prozent auch den grössten Anteil.
  • Helvetisches Nachwuchsproblem. Unter den Assistenz- und Unterassistenzärzten machen die Schweizer bloss noch 49 Prozent aus. Als die Daten 2013 erfasst wurden, waren nahezu drei von zehn Assistenzärzten deutscher Nationalität.

Hochschul-diplomierte Pflege. Von den 98'000 Angestellten im Pflegebereich verfügen 70 Prozent über eine Ausbildung auf Hochschulstufe und 10 Prozent über einen Abschluss auf Sekundarstufe II. Die übrigen 20 Prozent gehören dem Pflegepersonal auf Assistenzstufe (mit Grundausbildung oder ohne Ausbildung) an. 




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