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Mehr digitales Mindset für Spitäler

Viele Spitäler in der Schweiz kämpfen aktuell mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Digitalisierungsprojekte stellen dabei eine zusätzliche Herausforderung dar.

, 3. November 2021, 08:00
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Michaela Kainsner hat als Geschäftsführerin der Meierhofer Schweiz AG schon zahlreiche Spitäler bei der Einführung von neuer Kliniksoftware begleitet und kennt die Anforderungen sehr gut. Im Interview erklärt sie, wie digitale Anwendungen den Einrichtungen dabei helfen können, die anstehenden Herausforderungen zu meistern.
Seit Beginn der Corona-Pandemie haben viele Spitäler in der Schweiz mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie eine Auswertung von  Medinside ergab, erreichten 2020 fünf der 30 grossen Schweizer Spitäler eine negative EBITDA-Marge. Fast alle Häuser haben sich verschlechtert. Nur zwei Spitäler schafften eine EBITDA-Marge von über 10 Prozent. Warum sollten sich die Häuser gerade jetzt mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen?
Michaela Kainsner: In der Tat hat die Corona-Pandemie die Schweizer Spitäler nicht zuletzt durch freigehaltene Betten und zurückgefahrene OPs wirtschaftlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere wurde während der Pandemie aber auch deutlich, dass es in Sachen Digitalisierung erheblichen Nachholbedarf gibt. Fehlende digitale Interaktionsmöglichkeiten mit den Patient*innen und in der Folge reihenweise verschobene und abgesagte Beratungstermine seien nur als ein Beispiel von vielen hervorzuheben. Zwischenzeitlich dürfte daher auch im Spitalsumfeld die Erkenntnis gereift sein, dass man am zielgerichteten Einsatz moderner Technologien nicht mehr vorbeikommt. Die Frage müsste also vielleicht anders gestellt werden: nämlich „kann es sich ein Spital mittelfristig überhaupt noch leisten, sich nicht mit Digitalisierung zu beschäftigen?“
Spitäler müssen sich jetzt proaktiv damit beschäftigen, wie sie Digitalisierung in ihrem Haus vorantreiben können. Eine ganzheitliche und zielgerichtete Digitalisierungsstrategie dient nicht nur der Verbesserung der Versorgungsqualität und Prozesseffizienz, sondern kann für so manches Spital auch den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bedeuten. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern eine Investition in die Zukunftssicherheit eines Spitals.
Ein an den Prozessen des Spitals ausgerichtetes Klinikinformationssystem (KIS) kann sowohl bei der klinischen Dokumentation wesentlich unterstützen als auch beispielsweise dabei helfen, Patientenströme zu messen. Das bedeutet, es verschafft einen Überblick über die Auslastung und verfügbare Personalressourcen, sodass die Spitalleitung rechtzeitig entsprechende Massnahmen einleiten kann, sobald die Kennzahlen abweichen. Darüber hinaus ist ein KIS, mit dem alle Klinikmitarbeiter*innen gerne arbeiten, auch ein Alleinstellungsmerkmal, womit sich das Spital vom Wettbewerb abhebt und für neue Fachkräfte attraktiv werden kann. Gerade in Zeiten des Personalnotstands ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Vor allem aber auch die Patient*innen sollte man diesen Betrachtungen mehr in den Fokus rücken, denn ihre Bedürfnisse haben sich stark geändert. Sie wollen ein Mitspracherecht bei den Behandlungsmassnahmen haben, sind immer mehr dazu bereit, ihre Gesundheitsdaten zu erfassen und zu teilen und wollen vor allem auch Annehmlichkeiten wie Online-Terminplanung und ähnliches nutzen können, wie sie das auch von zahlreichen Dienstleistungen im privaten Umfeld kennen. Das ist eine enorme Chance für die Gesundheitsversorgung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Aber beim Thema digitale Patientenkommunikation gibt es noch viel Nachholbedarf. Das zeigt uns einerseits unsere tagtägliche Erfahrung und wird auch durch entsprechende Studien untermauert. Eine Marktstudie von Synpulse, beispielsweise, die von Oktober 2019 bis Januar 2020 unter 300 Beschäftigen aus 26 Spitälern durchgeführt wurde, ergab zwar, dass 63 Prozent der Befragten das Spitalwesen bei der Digitalisierung im Hintertreffen sehen. Gerade einmal 50 Prozent sind der Meinung, dass ihr Spital, in dem sie tätig sind, eine Vorreiterrolle einnimmt. Das bezieht sich jedoch nur auf die klinische Dokumentation. Was die digitale Patientenkommunikation betrifft, sind nur ein Viertel der Befragten derselben Ansicht. Das sollte sich ändern.

Wie genau soll das funktionieren?

Michaela Kainsner: Zum einen, indem Patient*innen noch mehr in den Mittelpunkt gestellt werden und der Fokus auf ihre Zufriedenheit gelegt wird. In unserem Alltag wie beim Einkaufen oder bei Reisebuchungen legen Unternehmen Wert auf gute „Kundenerlebnisse“ und „Kundenzufriedenheit“. Warum soll das im Gesundheitswesen nicht auch ähnlich funktionieren? Wenn Patient*innen zufrieden mit ihrem Spitalaufenthalt waren, empfehlen sie es im Bekanntenkreis weiter oder entscheiden sich bei der nächsten Behandlung erneut für dieses Haus. Ähnliche Anreize können darüber hinaus übrigens auch für Zuweiser geschaffen werden. In Bezug auf die Patient*innen ist es vor allem wichtig, dabei die „Patient Journey“ im Blick haben, was auch eine bestimmtes digitales Mindset voraussetzt. Der Behandlungspfad von Patient*innen beginnt bereits vor dem Spitaleintritt. Hier könnte bereits die erste Anamnese und Beratung zum bevorstehenden Spitalbesuch über ein Patientenportal digital ablaufen. Während des Aufenthalts hätten Patient*innen dann die Möglichkeit, über das Portal die anstehenden Untersuchungen und den Medikationsplan einzusehen oder sich, wie im Hotel, ihr Menü auszuwählen. Ist die Behandlung abgeschlossen, könnte im Nachgang der Austrittsbericht schnell und unkompliziert bereitgestellt werden. Auch eine Evaluierung über die Zufriedenheit mit dem Spitalaufenthalt könnte darüber stattfinden. Wie die Untersuchung von Synpulse ergab, bildet das jedoch heute noch kaum ein Spital ab.

Welche Rolle spielt denn die Kliniksoftware dabei?

Michaela Kainsner: Ein Klinikinformationssystem (KIS) sollte sich an den medizinischen Prozessen eines Spitals orientieren und diese entsprechend abbilden. Bei Meierhofer haben wir uns das zum Credo gemacht. Unsere Lösungen sind an die Bedürfnisse von Akutkliniken, Reha-Einrichtungen, Psychiatrien und Intensivstationen ausgerichtet und bilden die gesamte Patient Journey ab – von der Aufnahme über den OP bis hin zur Entlassung. Auch Patientenportale wie zum Beispiel von Samedi lassen sich an das KIS anbinden.
Uns sind bei unserer Software vor allem drei Aspekte wichtig: Nutzerfreundlichkeit, Versorgungsqualität und Zukunftssicherheit. Wir haben unser KIS mit einer neuen Generation dahingehend angepasst und ausgerichtet. Dazu haben wir u. a. die Benutzeroberfläche komplett überarbeitet, sodass Anwender*innen sich leichter im Programm zurechtfinden und noch gezielter und schneller auf die Informationen zugreifen können, die sie für ihre Arbeit brauchen. Darüber hinaus tragen wir mit der neuen Generation von M-KIS technologischen Aspekten wie Cloud-fähigkeit, Serviceorientierter Architektur (SOA) und Interoperabilität Rechnung. Letztendlich geht es jedoch nicht zuletzt auch darum, dass die Bedienung von M-KIS einfach Freude macht. Und davon profitieren auch die Spitäler. Denn ein KIS, mit dem die Mitarbeiter*innen gerne arbeiten, hebt das Spital vom Wettbewerb ab und macht es auch für andere Fachkräfte attraktiv. 

Michaela Kainsner, Geschäftsführerin Meierhofer Schweiz AG

Michaela Kainsner ist seit 2013 Geschäftsführerin der Meierhofer Schweiz AG. Die studierte Gesundheitswissenschaftlerin begann 2001 ihre Karriere bei Meierhofer als Consultant und Projektmanagerin. Meierhofer ist seit über 30 Jahren ein etablierter Anbieter von Lösungen für die digitale Patientenversorgung in Krankenhäusern, Kliniken und Spitälern im deutschsprachigen Raum. Rund 250 Kunden aller Bettengrössen setzen auf das Krankenhausinformationssystem, PDMS, OP- sowie Fach- und Funktionslösungen von Meierhofer, die sich vor allem durch ihre Integrationsfähigkeit in andere Systeme auszeichnen. Das Unternehmen beschäftigt rund 240 Mitarbeiter an neun Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
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