Medizinstudium und Familie: Wie geht das zusammen?

Eine kleine Erhebung ging den Erfahrungen an der Universität Basel nach. Sie zeigt: Ein kleiner Tick mehr Flexibilität wäre bereits sehr hilfreich.

, 5. Oktober 2015, 08:43
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Wie organisieren sich Eltern, die Medizin studieren? Der Frage widmeten sich drei Autoren an der Universität Basel. In ihrer Erhebung, erarbeitet am Universitären Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel, erhielten 914 Mitstudenten im Fach Medizin (1. bis 6. Jahreskurs) einen Fragebogen, 790 beantworteten ihn – und davon wiederum hatten zehn bereits eine Familie gegründet (1,1 Prozent). 
Fünf dieser studierenden Väter und Mütter erklärten sich zu einer weiteren Befragung bereit. Die Generalisierbarkeit der Daten ist also sehr begrenzt, doch ein paar Problem- beziehungsweise Lösungsansätze werden gewiss offenbar.

Giulietta Merlo, Bettina Flury Bodenmann, Andreas Zeller: «Medizinstudierende Eltern», in: «Primary Care», Oktober 2015.

Es zeigte sich zum Beispiel:

  • Kein einziger dieser Väter und Mütter bestritt einen Teil des Lebensunterhalts durch Nebenjobs oder einen Unterassistenzlohn. Alle gaben an, neben dem Studium nicht zu arbeiten.
  • Bei den Studierenden werden die Kinder hauptsächlich durch den Partner oder in einer Krippe betreut (4 von 5 Teilnehmern).
  • Häufig genannt wird auch die Betreuung durch Angehörige (3 von 5 Teilnehmern), wohingegen die Betreuung durch eine Tagesmutter, ein Au­pair oder den Freundeskreis selten vorkommt.
  • Alle Studienteilnehmer äusserten mit der Kinderbetreuung «sehr zufrieden» (60 Prozent) oder «eher zufrieden» (40 Prozent).

  • Trotz der offenbar sehr abhängigen finanziellen Lage sind die Studienteilnehmer zu 80 Prozent sehr oder eher zufrieden mit der Studiums-­ und Familiensituation.

Die Unzufriedenheit des einen Probanden sei auf die schlechte Vereinbarkeit des Studiums und der Familie zurückzuführen, berichten die Autorinnen und Autoren. Laut diesem Befragten sei «ein Selbststudium statt Vorlesungsbesuch aufgrund schwammig definierter Lernziele, Heterogenität der Vorlesungen wie auch unmöglichem Nachholen von praktischen sowie testatpflichtigen Veran­ staltungen nur bedingt möglich».
Dazu passt , dass der Besuch von testatpflichtigen Veranstaltungen von den studierenden Eltern als grösste Herausforderung eingeschätzt wird.

«Familienverträgliche Arbeitszeiten»

Als Verbesserungsvorschläge nennen die Studierenden einen regelmässigen Stundenplan oder die Aufteilung der Unterassistenz auf zwei Jahre. Hinzu kommt der Wunsch nach mehr Teilzeit-­ beziehungsweise Selbststudiums-Möglichkeiten.
Ein Befragter äusserte zudem den Wunsch, dass in der Assistenzzeit Fehlzeiten aufgrund Krankheit der Kinder erlaubt sowie «familienverträgliche Arbeitszeiten» eingeführt werden sollten.
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