So nicht! Spitalärzte gegen Gehalts-Obergrenzen

Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard will, dass Spitalärzte maximal 550’000 Franken verdienen. Die kantonale Ärzteschaft baut jetzt Widerstand auf.

, 22. September 2016, 09:12
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Am Departement für Gesundheit und Fürsorge des Kantons Waadt läuft derzeit ein Projekt der «Harmonisierung der Arbeitsbedingungen an Spitälern». Dieses beinhaltet nebst Fragen der Spital-Organisation und –Hierarchie auch eine staatliche Plafonierung der Saläre: 550’000 Franken und nicht mehr soll ein Arzt in einem öffentlichen Spital des Kantons demnach verdienen.
Spitalärzte machen diese Pläne von Pierre-Yves Maillard wütend. In einem offenen Brief haben sich waadtländische Mediziner nun direkt an den Departementsvorsteher gewendet, wie «24 heures» als erste erfuhr.

«Halt, das ist genug!»

Die Rede ist von «Empörung», «Bestürzung», aber auch von «Verunglimpfung des Berufsstandes». Maillard wolle mit seinem «Autoritarismus» die «Ärzte versklaven». Und es steht weiter: «Halt, das ist genug!»
Die Unterzeichner fordern Maillard darin auf, sofort auf den Verordnungsentwurf in seiner jetzigen Form zu verzichten. Der Brief spiegle die einstimmige Meinung der Mitglieder, heisst es. Verfasst wurde das Schreiben von Philippe Saegesser (Präsident des kantonalen Spitalärzteverbandes GMH) und Pierre-André Repond (Generalsekretär der der Waadtländer Ärztegesellschaft SVM).

Kernfrage: Sind Ärzte Service-Public-Angestellte?

Maillard plane, so ein Vorwurf, «auf autoritäre Weise und durch Zwang die vertraglichen Beziehungen zwischen den Ärzten und allen Spitälern bis ins Detail zu vereinheitlichen». 
Die Waadtländer Spitäler hätten ein hohes Niveau, sowohl im nationalen als auch im internationalen Vergleich, und dies verdanke sich auch den Strukturen, welche genügend Autonomie gewähren, Wettbewerb ermöglichen und ein ausgewogenes Verhältnis der Akteure erlauben.
Im Hintergrund steht, dass diverse SP-Gesundheitspolitiker die Löhne sowohl von Spitalärzten als auch von ambulanten Versorgern ins Visier genommen haben. Auf nationaler Ebene steuert der Freiburger Nationalrat Jean-François Steiert in diese Richtung. Er verweist darauf, dass Ärzte rund 90 Prozent ihres Gehaltes aus den Grundversicherungen beziehen; und mehr als 500’000 Franken für ein aus der Grundversicherung bezahltes Salär seien «unanständig», so Steiert unlängst in «Le Matin Dimanche». Andererseits seien 100’000 Franken für einen Arzt auf dem Land zu wenig. (mehr dazu hier)

Wie geht es weiter?

Laut «24 heures» will Pierre-Yves Maillard nun mit den Ärzten verhandeln: «Konkrete und konstruktive Vorschläge sind gewünscht». Man wolle keine Alibi-Beratung, so der 48-jährige SP-Staatsrat weiter.
Auch die Waadtländer Kaderärzte sind laut dem Brief offen für Diskussionen. Pierre-Yves Maillard hofft, das Dossier noch vor Sommer 2017 abzuschliessen.
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Zum offenen Brief der Waadtländer Ärztevertreter an Pierre-Yves Maillard (französisch)
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