Krebs: Ist die Versorgung in zertifizierten Zentren besser?

Eine deutsche Studie konnte bei acht Krebserkrankungen einen Überlebensvorteil für die Behandlung in solchen Kliniken – verglichen mit nicht zertifizierten Zentren – zeigen.

, 29. April 2022, 05:45
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Die Überlebenschancen von Krebspatienten stehen besser, wenn sie in zertifizierten Zentren behandelt werden. Ihre Sterblichkeitsrate lag bei acht untersuchten Krebserkrankungen niedriger als bei denjenigen, die in nicht zertifizierten Kliniken behandelt wurden.
Zu diesem Schluss kommt eine deutsche Studie. Diese basiert auf bundesweiten Abrechnungsdaten der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) sowie auf Daten aus vier regionalen Krebsregistern. Rund eine Million Behandlungsfälle wurden ausgewertet. Die Studie lief über einen Beobachtungszeitraum von acht Jahren (2009 bis 2017).
Bei Patienten, die sich in einem zertifizierten Zentrum behandeln liessen, war der Überlebensvorteil bei folgenden Krebsarten besonders gross:
> Gebärmutterhalskrebs (fast 26 Prozent weniger Sterblichkeit)
> Neuroonkologische Tumore (15,8 Prozent weniger Sterblichkeit)
> Lungenkrebs (15 Prozent weniger Sterblichkeit)
> Brustkrebs (11,7 Prozent weniger Sterblichkeit) 
Die niedrigere Sterblichkeit in den zertifizierten Zentren war sowohl in den Krebsregister-Daten als auch in den Krankenkassendaten erkennbar. Die Ergebnisse stützten über verschiedene Krebsarten hinweg die Hypothese, dass Patienten in zertifizierten Kliniken bessere Überlebenschancen hätten als in nicht zertifizierten Krankenhäusern, sagte einer der Studienautoren.
Gemäss der Analyse haben Patienten mit den niedrigeren Tumorstadien I bis III stärker von der Zentrumsbehandlung profitiert als Patienten mit dem fortgeschrittenen Stadium IV. Wie eine Autorin der Studie erklärt, «dürfte zum Beispiel der Einsatz von Tumorboards, die das diagnostische und therapeutische Vorgehen bei Patienten mit malignen Tumoren gemeinsam besprechen und die weitere Behandlung planen, eine grosse Rolle für den Erfolg der zertifizierten Zentren gespielt haben».
Die Studienergebnisse wurden am 26. April 2022 im Rahmen eines Symposiums in Berlin vorgestellt. Die Daten sind in den vergangenen drei Jahren im Rahmen des Projekts «Wirksamkeit der Versorgung in onkologischen Zentren» ausgewertet worden. Dieses wurde vom Innovationsfonds mit insgesamt 1,6 Millionen Euro gefördert. 
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