Krebszellen durchlaufen eine Entwicklung, bei der sie sich in Zellklone aufteilen und neue biologische Eigenschaften erlangen. «Durch die neuen Merkmale entkommen die Krebszellen sehr häufig der Wirkung von zunächst wirksamen Medikamenten», wird Jens Siveke in der Medienmitteilung der Universität Duisburg-Essen zitiert. Siveke ist Professor am Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) und am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) des Universitätsklinikums Essen (UDE). «Solch eine Therapie-Resistenz ist die gefährlichste Begleiterscheinung der Tumor-Evolution», gibt er zu denken.
Unter dem Stern von «Saturn3»
Siveke ist ebenso Koordinator des Forschungsnetzwerkes Saturn3 und seit 2016 UDE-Professor für Translationale Onkologie, Schwerpunkt «Thorakale und Viszerale Onkologie». «Saturn3» steht für «Spatial and Temporal Resolution of Intratumoral Heterogeneity in 3 hard-to-treat Cancers».
Die durch das Forschungsnetzwerk vereinten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen konzentrieren sich auf Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und besonders aggressive Formen von Brustkrebs, die weit verbreitetet und schwierig zu behandeln sind.
Das Besondere an ihrem Konzept: Den Patienten und Patientinnen werden nicht nur bei der Erstdiagnose Tumorteile entnommen, sondern auch mehrfach im Verlauf der Erkrankung. Dadurch erhalten die Forschenden auch Krebszellen, die Resistenzen entwickelt haben. Bei der Analyse des Tumormaterials kann dank der Partnerinstitutionen modernste Technik eingesetzt werden – inklusive Einzelzellanalysen und Künstlicher Intelligenz.
Förderung für fünf Jahre
Nun wollen Forschende der Medizinischen Fakultät der UDE als Teil des Forschungsnetzwerkes nach den Gründen für entstandene Therapie-Resistenzen besonders gefährlicher Krebsarten suchen. Ziel ist es, neue Wege zu finden, um widerstandsfähige Tumorzellen besser bekämpfen zu können. Im Zuge der Nationalen Dekade gegen Krebs fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) «Saturn3» für fünf Jahre mit über 15 Millionen Euro.
«Die Onkologie ist einer von fünf Forschungsschwerpunkten bei uns in Essen. Im Kampf gegen Krebs haben wir dank zahlreicher Studien bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen, etwa für neue Therapien», sagt Professor Jan Buer, Dekan der Medizinischen Fakultät der UDE. «Die hohe BMBF-Förderung und die Zusammenarbeit im Saturn3-Netzwerk eröffnen uns hier mehr Möglichkeiten.»
Zellen, die in einer Matrix eine beerenförmige Struktur ausbilden, typischerweise mit einem Hohlraum in der Mitte sowie inneren und äusseren Zellen. Organoide werden für das Projekt aus Gewebeproben von Patientinnen und Patienten gezüchtet. Auf diese Weise können zum Beispiel Wirkstoff-Wirkungen und die Entstehung von Tumoren untersucht werden. (Sven-Thorsten Liffers, Siveke Labor)