Führt Kaiserschnitt zu Atemwegserkrankungen?

Laut Studien leiden Kinder, die per Sectio zur Welt kommen, eher unter Atemwegserkrankungen. Forscherinnen des Inselspitals können dies aber nicht bestätigen.

, 27. August 2021, 11:51
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  • atemwegserkrankung
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Jedes dritte Neugeborene in der Schweiz kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Sind allenfalls Spätfolgen zu befürchten? Verschiedene Studien sollen einen Zusammenhang zwischen der Geburt per Sectio und dem Auftreten eines erhöhten Risikos für spätere Atemprobleme festgestellt haben. Dies schreibt die Inselgruppe in einer Medienmitteilung.
Obschon Langzeituntersuchungen bei älteren Kindern noch spärlich sind, wird «ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Allergien und Erkrankungen des Atmungssystems postuliert» steht im Communiqué zu lesen.
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Lungenfunktionsmessung erfolgte erstmals nach sechs Wochen.
Die Entwicklung des Mikrobioms und des Immunsystems des Neugeborenen könnten eine Rolle spielen. Dies über den Kontakt mit dem Mikrobiom der Mutter im Geburtskanal. Andere Einflussfaktoren könnten der Zeitpunkt und die Art des Einsatzes von Antibiotika unter der Geburt, sowie epigenetische Effekte von Stress unter der Geburt sein.

Unter der Leitung von Sophie Yammine

Die Forschungsgruppe der Kinderklinik am Inselspital unter der Leitung von Studienleiterin PD Dr. med. Sophie Yammine hat eine Untersuchung von Erkrankungen des Atmungssystems bei einer Gruppe von Kindern in zwei Altersabschnitten vorgenommen - und zwar ährend des ersten Lebensjahrs und nach sechs Jahren. 
Die Originalpublikation:https://www.ajog.org/article/S0002-9378(21)00866-8/pdf
Schon im ersten Lebensjahr konnte kein Zusammenhang zwischen Kaiserschnittgeburten und Erkrankungen des Atmungssystems mehr nachgewiesen werden. Die Lungenfunktionen von Kindern nach Normalgeburt und nach Kaiserschnitt wiesen keinen Unterschied auf, weder sechs Wochen nach Entbindung noch nach sechs Jahren.
Doch Sophie Yammine warnt vor voreiligen Schlüssen: «Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nur Aussagen über die Gruppe von Kindern machen, die wir studiert haben.» Es sei zu berücksichtigen, dass die Anzahl Kinder mit Asthmasymptomen relativ klein sei. «Was wir aber feststellen können, und das hat durchaus Relevanz für die Geburtsberatung, sind die fehlenden Unterschiede zwischen Normalgeborenen und per Kaiserschnitt geborenen Kindern.»
Das Forschungsteam
  • PD Dr. med. Sophie Yammine, Oberärztin Kinderklinik, Inselspital, Universitätsspital Bern
  • Yasmin Salem Mahmoud, PhD Studentin, Kinderklinik, Inselspital, Universitätsspital Bern
  • Prof. Dr. med. Philipp Latzin, Abt.-Leiter Kinderklinik, Inselspital, Universitätsspital Bern
  • Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Ordinarius und Chefarzt Geburtshilfe, Frauenklinik, Inselspital, Universitätsspital Bern 
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