Homöopathie: Soll Hundekot Hundekot heissen müssen?

Im Ausland geraten die Globuli zunehmend unter Druck. Stärkster Hebel dabei: die Anforderungen des Konsumentenschutzes. Dieser Trick liesse sich auch in der Schweiz anwenden – trotz Verfassungsschutz für Komplementärmedizin.

, 28. Juli 2017, 06:26
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Der Homöopathie geht es derzeit ziemlich an den Kragen. In England beschlossen die Manager des staatlichen Gesundheitssystems NHS, homöopathische Behandlungen von allen Vergütungen auszunehmen. Simon Stevens, der Generaldirektor des NHS, meinte kurzerhand, Homöopathie sei «im besten Fall ein Placebo und ein Missbrauch der knappen Mittel des NHS».
In den USA wiederum prüfen die Wettbewerbshüter der Federal Trade Commission, ob Warnhinweise angebracht werden sollen – also klärende Aussagen wie: «Wirksamkeit nicht bewiesen».

#Globokalypse

Der nächste Schritt folgte nun in Deutschland, wo die Regierungsparteien von CDU und CSU einen Gesetzesvorstoss einbrachten: Danach sollen homöopathische Mittel nicht mehr über die Apotheken verkauft werden. Und die Inhaltsstoffe sollen in deutscher Sprache beschrieben werden. 
Seither läuft dort eine – teils lustige – Twitter-Diskussion unter dem Stichwort #Globokalypse. Normalerweise lösen solche Polit- und Social-Media-Debatten rasch ähnliche Schritte in der Schweizer Politik aus. Aber es hat einen Grund, weshalb es hier bislang ruhig blieb ums Thema. Denn bekanntlich gab es dazu 2009 eine Volksabstimmung – mit klarem Resultat: Zwei Drittel der Bürger stimmten einem Verfassungsartikel zu, welcher bestimmte Alternativmedizin-Schulen in der Grundversicherung verlangt.
Solch ein Ergebnis rührt ein Politiker lieber nicht an, zumal die Kosten der Komplementärmedizin mit etwa 60 Millionen Franken noch überschaubar sind.

«Ansätze moderner Verbraucherinformation»

Dennoch bringen die Schritte im Ausland neue Hebel ins Spiel, mit denen sich die Homöopathie wohl massiv unter Druck bringen liesse. Als besonders wirksam dürfte sich das auf den ersten Blick eher lapidare CDU-CSU-Forderung erweisen, die Inhaltsstoffe der Globuli auf Deutsch anschreiben zu müssen.
«Die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe homöopathischer Zubereitungen mit ausschliesslich lateinischen Bezeichnungen ist nicht zeitgemäß und widerspricht allen Ansätzen der modernen Verbraucherinformation», findet die Konsumentenbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion, Mechthild Heil.

Latex vulcani

Die Gegner der Homöopathie spüren nun, dass hier ein Druckmittel herumliegt – im Rückgriff auf den Konsumentenschutz im Allgemeinen (wie es auch in den USA geschieht); und in der Anschreibepflicht im Besonderen. Denn in den Beilagen der Mittel finden sich ja jeweils respektheischende Bezeichnungen: Natrium chloratum, Silicea terra, Sulfur, Latex vulcani, Excr-can. Und die würden wohl umgehend Placebowirkung einbüssen, wenn man sie auf Deutsch kennenlernt: Kochsalz, Glas, Schwefel, Gummi, Hundekot.
Insbesondere das letzte Beispiel wird nun von Schulmedizinern und ihren Anhängern mit spöttischer Wonne übersetzt und durch alle Social-Media-Kanäle gejagt. In dieselbe Richtung zielt die zweite Forderung in Deutschland, der Stopp des Verkaufs über die Apotheken: Dieser Ist-Zustand verschafft den Globuli ebenfalls viel Credibility.

Da ist doch gar nichts drin

«Für die meisten dieser Präparate liegt kein Nachweis der Wirksamkeit vor, es erfolgt keine Zulassung mit klinischen Studien, lediglich eine Registrierung», argumentiert die CDU-Abgeordnete Heil. «Der ausschliessliche Verkauf in Apotheken erweckt dabei den Anschein es würde sich um wissenschaftlich anerkannte Alternativen zu schulmedizinischen Medikamenten handeln. Wir sollten dem durch eine klare Regelung entgegenwirken.»
Nun haben die Anhänger der Homöopathie ein starkes Gegenargument gegen die Eindeutschungs-Pflicht: Die Substanzen sind bekanntlich so stark verdünnt, dass man die Moleküle des Ausgangsstoffes gar nicht mehr nachweisen kann. Also ist es auch sinnlos, sie extra zu deklarieren.
Dies genau nährt den Verdacht, dass die geplante Übersetzungspflicht vor allem eine gewisse Propagandawirkung bezwecken soll. Oder wie es die «Frankfurter Rundschau» formuliert: «Sie setzt dabei offenbar auf eine Art Ekel-Effekt.»
Einige Muster aus #Globokalypse
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