Geheimer Spitalbericht anonym weitergegeben

Im Zusammenhang mit der neuen St. Galler Spitalstrategie ist es zu einem Informationsleck gekommen. Die Regierung verzichtet aber auf eine Untersuchung zur Klärung.

, 10. Dezember 2019 um 09:50
image
  • spital
  • st. gallen
  • st. galler spitalverbunde
  • politik
Ein eigentlich geheimer Schlussbericht der Beratungsfirma KPMG über die St. Galler Spitalstrategie wurde anonym an Dritte weitergegeben. Dies bestätigt die Regierung in einer Antwort auf einen entsprechenden Vorstoss.  
Der Bericht, der im Rahmen des Projekts «Weiterentwicklung der Strategie der St.Galler Spitalverbunde» erarbeitet worden war, diente dem Lenkungsausschuss und später der Regierung als Grundlage für weitere Beschlüsse der zukünftigen Spitalstruktur. 
Unter anderem prüften die Berater von KPMG alternative Leistungsangebote für die fünf Spitalstandorte Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil. Der Bericht, der noch vertraulich gewesen war, ging vorab entweder an einzelne Mitglieder das Kantonsparlaments oder an einzelne Fraktionen. 

Adressaten reis «zu gross»

Die St. Galler Regierung verurteilt ein solches Vorgehen. Es untergräbt die Vertrauensgrundlage für eine gute Zusammenarbeit, wie sie schreibt. Man sei bestrebt, «Verletzungen der Geheimhaltungspflichten konsequent zu ahnden». Und die Weitergabe verletze auch personalrechtlich festgehaltene Geheimhaltungspflichten.
Auf eine Untersuchung werde nun aber verzichtet, heisst es weiter. Der Grund: Der Kreis der Personen, die über den KPMG-Schlussbericht verfügt haben oder darüber hätten verfügen können, sei zu gross, «um gezielt gegen einzelne Personen eine Administrativuntersuchung anzustreben», schreibt die Regierung.
Konkret wurde im Kantonsparlament die FDP verdächtigt, das als streng vertrauliche deklarierte Papier vorab erhalten zu haben. Es stelle sich die Frage, «ob es bei der Verquickungen zwischen der FDP-Fraktion und dem Verwaltungsrat ein Mitglied des Verwaltungsrates der Spitalverbunde war?», schrieb Peter Hartmann, der den Vorstoss eingereicht hatte.
Der Bericht ging von der Projektleitung an: 
  • Lenkungsausschuss: Mitglieder der Regierung (3), Mitglieder des Verwaltungsrates der Spitalverbunde (2).
  • Kernteam: Vertreter Gesundheitsdepartement (2), Finanzdepartement (1), Spitalverbunde (2).
  • Mitglieder der Regierung | Staatssekretär.
  • Leiter der Geschäftsstelle des Verwaltungsrates der Spitalverbunde: zu Handen der Mitglieder des Verwaltungsrates und des CEO-Koordinations-Ausschusses.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Neuer Leitender Arzt für die Spitäler Schaffhausen

Der Radiologe Wolfgang K. E. Schill wechselt vom Kantonsspital Münsterlingen nach Schaffhausen.

image

In der Stadt Zürich sollen Covid-Tests wieder gratis werden

Zürcherinnen und Zürcher sollen die Möglichkeit erhalten, sich bei Symptomen kostenlos auf Corona testen zu lassen. Der Stadtrat ist ratlos.

image

Kantonsspital kauft Aktien einer Digital-Plattform

Was Medinside vor einer Woche angekündet hat, ist nun geschehen: Das erste öffentliche Spital steigt bei «Compassana» ein.

image

Spitex-Organisationen sollen keine Mehrwertsteuer mehr bezahlen müssen

Die Leistungen aller Spitex-Organisationen in den Bereichen Haushalthilfe und Betreuung sollen künftig von der Mehrwertsteuerpflicht ausgenommen werden.

image

Prämienverbilligung: Nationalrat hält am Ausbau des Systems fest

Anders als der Ständerat will der Nationalrat den Ausbau der Prämienverbilligungen nicht vor sich herschieben. Er hält am indirekten Gegenvorschlag fest.

image

Horrender Lohn im Luks-Verwaltungsrat gibt zu reden

Der VR-Präsident des Luzerner Kantonsspitals hat in den letzten Jahren satte Lohnerhöhungen erhalten. 2021 soll die Luzerner Regierung damit die eigenen Vorgaben gesprengt haben.

Vom gleichen Autor

image

Berner Arzt hat Aufklärungspflicht doch nicht verletzt

Im Fall einer Nasen-OP mit Komplikationen verneint das Bundesgericht eine Pflichtverletzung eines Berner HNO-Arztes. Die Vorinstanzen haben noch anders entschieden.

image

Warum hunderte Pflegekräfte derzeit «Rücktrittsschreiben» verfassen

Eigentlich möchten viele Pflegefachpersonen ihrem Beruf gar nicht den Rücken kehren. Doch das System zwingt sie dazu, wie eine aktuelle Kampagne in den USA exemplarisch zeigt.

image

Ärzte erhalten von Ärzten eine Sonderbehandlung

Ärzte als Patienten kriegen bestimmte Privilegien, die andere Patienten oder Patientinnen nicht erhalten würden. Dies sagt die grosse Mehrheit der in einer Studie befragten Ärzte.