GDK zum Monismus: «Die Folge wäre ein Prämienschub»

Die nationalrätliche Kommission setzt sich für eine einheitliche Finanzierung ein. Doch der Vorstand der Gesundheitsdirektoren-Konferenz (GDK) zerpflückt den Vorschlag.

, 9. Juli 2018 um 08:54
image
  • gesundheitsdirektoren
  • gesundheitskosten
  • efas
  • politik
Monismus, EFAS oder «Dual fix über alles»: Die Krankenversicherer wollen die einheitliche Finanzierung für ambulante und stationäre Behandlungen. Doch den Vorschlag der Gesundheitskommission des Nationalrats (SGK-NR) lehnen die Kantone ab. In einer Stellungnahme kritisiert der Vorstand der Gesundheitsdirektoren-Konferenz die Idee.
Die Vorlage «Einführung des Monismus» beschränke sich allein auf die Verschiebung von kantonalen Steuergeldern zu den Krankenversicherern, schreibt die GDK. «Damit werden keine positiven Anreize zur gewünschten Verlagerung in den ambulanten Bereich geschaffen.»

Keine Kostendämpfung und Stabilisierung 

Eine Kostendämpfung sowie Stabilisierung der Belastung der Prämien- und Steuerzahler sei zudem mit der Vorlage «bei weitem nicht zu erreichen». Im Gegenteil: Der Finanzierungswechsel würde laut GDK in vielen Kantonen sogar zu einem Prämienschub führen. Dies, weil der heute prämienfinanzierte Anteil dort noch unter den in der Vorlage vorgesehenen 74,5 Prozent der Gesamtkosten liege.
Auch würde der SGK-Vorschlag eine höhere Entschädigung für Vertragsspitäler bewirken. Indem die durch die Spitäler erbrachten Leistungen neu zu 74,5 Prozent durch die OKP mitfinanziert würden – statt wie heute zu 45 Prozent. Die Folge: Ein Prämienschub. Und die Wirksamkeit der kantonalen Spitalplanungen würde durch die Stärkung der Vertragsspitäler unterlaufen. Die Vorlage gehe in «leichtfertiger Weise» nicht auf diese problematischen Auswirkungen ein, schreibt die GDK.

Kosten Langzeitpflege integrieren

Schliesslich seien auch die Kalkulationsgrundlagen für die Berechnung des neuen Verteilschlüssels «nicht nachvollziehbar». Sie könnten deshalb zur Abschätzung der Auswirkungen der Vorlage auf die Steuer-und Prämienzahler nicht genügen, heisst es weiter. 
Fazit: Die Gesundheitskommission habe die Hausaufgaben nicht gemacht. Die Vorlage genüge nicht – und könne auch nicht verbessert werden. «Eine Zurückweisung zur Neuauflage ist für die GDK notwendig.» 
Die kantonalen Gesundheitsdirektoren seien bereit, ihren Teil zur Ausarbeitung einer Lösung zu leisten. Dazu gehören der GDK zufolge insbesondere die Möglichkeit einer gezielten Steuerung auch der ambulanten Versorgung durch die Kantone, die Integration der Pflegekosten im Bereich der Langzeitpflege sowie ein griffiges Instrument der Kontrolle über die den Krankenkassen zuzuleitenden kantonalen Steuergelder.

  • Stellungnahme des GDK-Vorstandes 

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Es bleibt dabei: Die Krankenkasse bezahlt den Zahnarzt nicht

Der Nationalrat lehnte einen Vorstoss dazu deutlich ab.

image

BAG: Neue Leiterin der Abteilung Internationales

Barbara Schedler Fischer folgt im August auf Nora Kronig Romero.

image

Notfall: 50 Franken für Bagatellfälle

Ein altes Anliegen kommt wieder aufs Tapet: Die Gesundheitskommission des Nationalrats stellt zwei Varianten vor.

image
Gastbeitrag von Michael Jordi

Qualität ist keine Glaubensfrage

Bei der Qualität im Gesundheitssystem wird nicht zu viel gesteuert und vereinheitlicht – sondern eher zu wenig. Viele Akteure wollen einfach ihr eigenes Messsystem als Standard sehen.

image

Efas: Das Referendum ist am Ziel

Das Volk wird voraussichtlich im September über die neue Gesundheits-Finanzierung abstimmen.

image
Gastbeitrag von Felix Schneuwly

Ein Gruss aus der sozialistischen Planwirtschaft

Unklare Ziele, diffuse Verantwortung, aber viel Bürokratie: Der Qualitätsartikel im KVG ist ein fehlkonstruiertes Monster.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.