Digitalisierung im Gesundheitswesen: Das Vertrauen fehlt

Knapp die Hälfte der Krankenversicherten in Deutschland steht der Digitalisierung im Gesundheitswesen skeptisch gegenüber. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage von PwC.

, 11. April 2016, 09:06
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«Fast jedem Zweiten fehlt das Vertrauen, dass persönliche Daten, die digital übermittelt und gespeichert werden, sicher sind und nicht in falsche Hände geraten»: Das besagt das «Healthcare-Barometer 2016» der Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC).
«Die Vorteile, die die Digitalisierung gerade im Gesundheitswesen birgt, sind noch viel zu wenig bekannt», sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma in Deutschland. Er nennt etwa lebensrettende Notfalldaten, die auf der Gesundheitskarte gespeichert sind.

«Digitalisierung erspart Patienten viele Wege»

Zudem würde die digitale Übertragung von Unterlagen die Kommunikation zwischen Versicherten, Hausarzt, Facharzt und Spital deutlich erleichtern und Patienten viele Wege ersparen. 
«Minicomputer wie Smartwatches, die körperliche Werte wie Blutdruck und Herzfrequenz überwachen, würden die Versorgung alter und chronisch kranker Menschen deutlich verbessern», so Burkhart.
Weitere Eckdaten des aktuellen «Healthcare-Barometers»:

  • Nur 22 Prozent der gesetzlich Versicherten und 14 Prozent der Privatversicherten begrüssen laut Studie das in Deutschland geplante E-Health-Gesetz ohne Einschränkung. 47 Prozent der Privatversicherten und 43 Prozent der gesetzlich Versicherten sind nach wie vor misstrauisch. Das Gesetzt schreibt Sicherheitsstandards fest und bildet den rechtlichen Rahmen für die Telemedizin und die elektronische Gesundheitskarte.
  • Minicomputer am Handgelenk haben es in Deutschland schwer: Nur 17 Prozent der Befragten nutzen die Möglichkeit, eigene Vitalwerte mithilfe mobiler Hightech-Geräte zu bestimmen und auszuwerten. Dieser Anteil hat sich seit dem Vorjahr nicht verändert.
  • Der Hausarzt bleibt für 62 Prozent der Befragten der wichtigste Ansprechpartner, wenn es darum geht, eine Klinik für einen Krankenhausaufenthalt zu finden. Mit zunehmendem Alter steigt das Vertrauen in seine Kompetenz:
  • In Arztpraxen erwarten Versicherte der Studie zufolge mehr Service: 45 Prozent (2015: 43 Prozent) störten sich daran, dass sich der Arzt zu wenig Zeit für sie nimmt. Auffällig sei die wachsende Unzufriedenheit unter Privatversicherten, so die Studienautoren. Ihr Anteil sei in einem Jahr von 22 auf 29 Prozent gestiegen. Bemängelt werde auch, dass sich Praxisöffnungszeiten zu wenig an den Bedürfnissen der Patienten orientieren

Medienmitteilung von PwC: «Healthcare-Barometer 2016: Patienten fürchten Datenmissbrauch im Gesundheitswesen»
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