Diese Infektionskrankheiten haben massiv abgenommen

Im Corona-Jahr 2020 haben 15 von 16 meldepflichtigen Infektionskrankheiten bis zu 90 Prozent abgenommen. Ausnahme gemäss BAG-Bulletin ist die «FSME».

, 26. Juli 2021, 10:00
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Es sind spannende Zahlen, die dem BAG-Bulletin 30/2021 zu entnehmen sind: Seit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr bis Ende 2020 haben die Fallzahlen der meldepflichtigen Krankheiten zwischen 15 bis 90 Prozent abgenommen. In diesem Zeitraum gingen nebst 3,8 Millionen Corona-Meldungen 65'000 Meldungen zu Nicht-Covid-Themen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein. Das ist ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber 2019.
16 meldepflichte Infektionskrankheiten hat das BAG genauer unter die Lupe genommen und mit denen der Jahre 2015 bis 2019 verglichen (siehe Bild unten). Dazu gehören Tröpfcheninfektionen, Vektor-übertragene Krankheiten und solche, die faeco-oral oder sexuell übertragen werden: «Mit Ausnahme der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) haben im Pandemiejahr 2020 alle anderen häufigen meldepflichtigen Krankheiten eine signifikante Abnahme der Fallzahlen aufgewiesen», schreibt das BAG in seinem Bulletin.

90 Prozent weniger Denguefieber

Besonders abgenommen haben Denguefieber (minus 90 Prozent) und Malaria (minus 72 Prozent). Die Erreger von beiden Infektionskrankheiten werden von Mücken auf den Menschen übertragen. Die in der Schweiz seit Jahren zunehmende Hasenpest (Tularämie) zeigt mit einem Minus von 45 Prozent ebenso eine deutliche Abnahme der Fallzahlen. Eine Infektion ist wie bei der «FSME» durch Zeckenstiche, aber auch durch den Kontakt mit infizierten Nagetieren und deren Ausscheidungen beziehungsweise der Verzehr von kontaminiertem Wasser oder von ungenügend gekochtem Fleisch eines infizierten Tieres möglich.
Auch in der Sparte Geschlechtskrankheiten bewegt sich die Kurve der gemeldeten Fälle unter der erwarteten Bandbreite. So wurden 36 Prozent weniger Frühe Syphilis, 25 Prozent weniger Gonorrhoe, 15 Prozent weniger Chlamydiose und 28 Prozent weniger HIV-Infektionen verzeichnet. 

Die beiden möglichen Gründe

Das BAG geht davon aus, dass die Covid-19-Pandemie zu einer Abnahme an Infektionen mit anderen Erregern geführt haben könnte. Zwei Gründe werden genannt: Einerseits bestehe die Möglichkeit einer Untererfassung der tatsächlichen Fallzahlen. «Der im Frühjahr 2020 verordnete Verzicht auf nicht essentielle medizinische Behandlungen, die Auslastung der Labore und Ärzteschaft sowie eine individuelle Zurückhaltung beim Aufsuchen von medizinischen Einrichtungen könnten zu einer Reduktion der gemeldeten Fälle bei gleicher reeller Inzidenz geführt haben», schreibt das BAG.
Doch auch die verordneten Covid-19-Massnahmen, die Reiserestriktionen und die individuellen Verhaltensänderungen könnten laut BAG einen Einfluss auf die Übertragung von anderen Erregern gehabt haben. So sei es möglich, dass die Covid-Pandemie zu einer tatsächlichen Abnahme an Infektionen mit anderen Erregern geführt haben könnte. 
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Printscreen BAG-Bulletin 30/2021.
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