«Die Situation im Spital ist zunehmend schlimm»

Das Spital Schwyz publiziert einen vieldiskutierten Video-Apell zu Covid-19.

, 14. Oktober 2020, 13:10
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Das Kantonspital Schwyz sorgt selten für landesweite Schlagzeilen. Für einmal ist das anders. Im Innerschweizer Kanton ist die Zahl der Covid-19-Erkrankungen gemessen an der Bevölkerungszahl der höchste der Schweiz und einer der höchsten Europas. Das Spital hat sich deshalb am Mittwoch mit einem Video an die Bevölkerung gerichtet.
Die Situation im Spital sei zunehmend schlimm, sagt der Chefarzt Innere Medizin, Reto Nüesch, im Video.  «Wir haben immer mehr Patienten, die zu uns kommen und denen es auch wirklich schlecht geht. Wir probieren alles zu machen, um diese Patienten zu retten. Das gelingt uns auch in vielen Fällen aber nicht immer.»
Die Spitaldirektorin Franziska Föllmi sagt, sie als Direktorin «verantwortlich, dass es Patienten und Mitarbeitenden gut geht». Aufgrund der aktuellen Fallzahlen sei das aber «eine fast unmögliche Aufgabe». Sie appelliert an die Bevölkerung: «Es ist so wichtig dass alle reagieren: Tragen Sie Masken, machen Sie keine Feste - treffen wenn immer möglich nur in kleinen Gruppen.» Kontext: Im Kanton Schwyz gab es keine Maskentragpflicht.»

Am Dienstag hatte die Schwyzer Regierung zwar eine Maskenpflicht verfügt. Diese geht aber weniger weit als jene in anderen Kantonen. Sie gilt für Veranstaltungen ab 50 Personen - und für Geschäfte und Kirchen. Für letztere beiden aber nur dann, wenn die Läden die Abstände nicht eingehalten werden können.

Die Direktorin macht sich Sorgen

Das Video sorgt im Kanton, aber auch weit darüber hinaus Aufsehen. Auch die deutsche Medien nehmen es breit auf. National berichtet etwa der «Tages-Anzeiger» am Freitag mit einer prominent platzierten Doppelseite darüber - und macht sich auf eine Spurensuche nach den Gründen für die hohen Fallzahlen im Kanton Schwyz. Fazit: Grund dafür dürfte ein Jodlerfest sein, aber auch weitere Volksmusikfeste und ein Oktoberfest. 
Dem «Tages-Anzeiger» sagt Föllmi, man habe bereits einzelne Covid-19-Patienten in die umliegenden Spitäler verlegen müssen. Etwa nach Zug, Luzern, Lachen oder Nidwalden. Doch das sei nicht das Hauptproblem: «Was aber geschieht, wenn bald die ganze Schweiz so durchseucht wäre wie Schwyz und alle Spitäler belegt sind», frag sie. Die Antwort gibt sie sich selbst «Dann wird es kritisch.»
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