Diabetes: Gute Noten für die künstliche Bauchspeicheldrüse

Den Blutzucker bei Diabetikern zu regulieren, ist bei OPs sehr schwierig. Präziser als die Spritze ist die Insulinzufuhr über den künstlichen Pankreas. Berner Forscher erklären weshalb.

, 28. Juli 2022, 07:10
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Operationen stellen aufgrund von Stressreaktionen hohe Anforderungen an die Blutzuckerkontrolle. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) erhöht das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen. Dazu gehören Infektionen oder Wundheilungsstörungen. Patientinnen und Patienten, die im Rahmen einer Operation einen zu hohen Blutzuckerspiegel aufweisen, werden deshalb mit Insulin behandelt. Eine konventionelle Therapie erfolgt mittels Spritze. 
Der Nachteil: Die Spritze erfordert nicht nur häufige Blutzuckerkontrollen und Dosisanpassungen, sondern ermöglich auch keine Feinjustierungen. Das  erhöht das Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie), die schlimmsten Falls zum Tod führen kann. 
Nun zeigt eine aktuelle Studie unter der Leitung von Professorin Lia Bally vom Inselspital, Universitätsspital Bern, dass sich Closed-Loop-Systeme, auch künstliche Bauchspeicheldrüsen (Pankreas) genannt, auch im anspruchsvollen Rahmen einer Operation bewährt: Sie verbessern die Blutzuckereinstellung bei Personen mit Diabetes mellitus wesentlich und zwar ohne Risiko einer Unterzuckerung. 
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24-h Blutzuckerprofil von Studienteilnehmenden mit und ohne Closed-Loop-System. | zvg
Konkret: Eine künstliche Bauchspeicheldrüse wirkte sich sowohl vor, während als auch kurz nach einer Operation deutlich positiv aus. Im Vergleich zur herkömmlichen Insulintherapie konnte bei den Studienteilnehmenden durch das vollautomatisierte Closed-Loop-System die Zeit im Blutzuckerzielbereich um sechs Stunden pro Tag erhöht werden.
«Dass sich die künstliche Bauchspeicheldrüse auch unter Bedingungen, welche für den Stoffwechsel mit stark erhöhtem Stress verbunden sind, so gut bewährt hat, ist ein wichtiger Meilenstein in der Behandlung von Personen mit Diabetes mellitus, welche rund einen Drittel unserer Patienten ausmachen», wird die Studienleiterin Bally in der Medienmitteilung zitiert.
Die Studie wurde in der jüngsten Ausgabe des renommierten Fachmagazins Diabetes Care publiziert.
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